Bodemuseum : Was die Freiheit kostet

"Muse, Macht, Moneten": Eine Ausstellung im Berliner Bodemuseum fragt nach dem Einfluss des Geldes auf die Kunst.

Stefanie Sippel
Helmut Kings Serie „Support Art ... (Don’t Buy A King)“, entstanden 2003.
Helmut Kings Serie „Support Art ... (Don’t Buy A King)“, entstanden 2003.Foto: Hermann Büchner

Sie bekommen von einem Freund ein Geldstück mit der Aufschrift „I will“ (ich werde). Die Münze ist ein Versprechen. Sobald Sie ihm diese zurückgeben, tut der Freund Ihnen einen Gefallen, mäht den Rasen oder tröstet Sie bei Liebeskummer. Sie stehen beim Bäcker und kaufen Brötchen. Zusätzlich zum Geldschein reichen Sie der Verkäuferin einen Love-Schein über den Tresen. Was macht Geld mit der Kunst? Wie bewegt sich der Künstler auf diesem Feld? Diese Fragen stellt die Sonderausstellung „Kunst prägt Geld: Muse Macht Moneten“ im Münzkabinett im Bodemuseum.

Gezeigt werden Objekte der Sammlung von Stefan Haupt, die sich der „Geldkunst“ widmen. Dazu gehören „I will“ von Germaine Koh oder „One Like/ Love“ von dem niederländischen Künstler Dadara. Beide zeigen auf, dass Geld auch etwas Soziales sein kann. Das sehen nicht alle so. Nach der Wende trafen sich die Berliner Medailleure im Münzkabinett. Eine davon war Anna Franziska Schwarzbach. Das neue Westgeld erschien ihr und den anderen wie Falschgeld. Darum entstand die Idee: Stellen wir unser Geld selbst her! Das Geld, ein Aufruf. Damals war die Situation der Kunst prekär, die Künstler der ehemaligen DDR mit Veränderungen in Kulturpolitik und dem Kunstmarkt konfrontiert.

Anna Martha Napp lässt den Teufel tanzen

Der Konflikt besteht weiter. Wie kann Kunst frei sein, wo sie doch fremdbestimmt ist von Markt und Macht? Ist damit auch der Künstler fremdbestimmt? Die Ausstellungskuratoren, Direktor Bernhard Weisser und Alexa Küter, fragten nach und erhielten von 32 Künstlern als Antwort Medaillen.

Die Vorderseite von Anna Martha Napps Medaille zeigt einen Teufel, der mit zwei Marionetten spielt. Auf der anderen Seite scheißt der Teufel Geld. Die fremdgesteuerten Künstler vermehren den Gewinn der Macht, sind selbst jedoch Marionetten. Mit Humor, beißendem Spott, Bitterkeit oder Optimismus erzählen die Künstler vom Konflikt zwischen Kunst und Kommerz.

Die Ausstellung zieht sich bis ins Museumsfoyer, wo ein Schwein namens Marie Cochon steht, eine Installation von Nikolaus Eberstaller. In seinem Maul stecken Geldscheine. Das Geld quillt seitlich wieder heraus. Schockiert seien die Besucher, die das Foyer betreten, sagt Kuratorin Alexa Küter. Auch das will die Ausstellung bewirken: Konfrontation mit der Gier.

Münzkabinett im Bodemuseum, Museumsinsel, bis 27. Mai 2017; Di–So 10–18 Uhr, Do bis 20 Uhr.

0 Kommentare

Neuester Kommentar