Kultur : Born to be Punk

Satellitenmesse (3): Der 5. Kunstsalon gibt sich wild und experimentell

Michaela Nolte

Fünf Etagen gilt es beim Kunstsalon zu bewältigen. Der Parcours durch das Humboldt-Umspannwerk ist nichts für Vernissage-Besucherinnen mit modischen Stilettos. Aber schon „Bazaar“ lohnt den Abstieg in die Tiefen des historischen Bauwerks. Pünktlich zur Finanzkrise haben die Künstler Bernhard Draz, Andreas Sachsenmaier und Joachim Seinfeld 13 Kollegen eingeladen, „Strategien des Risikos“ zu entwickeln. Eine Ausstellung in der Ausstellung, die obendrein raffinierte Bezüge zwischen Objekten, Installationen und dem mächtigen Raum schafft.

„Weniger Messe – mehr Ausstellung!“, so das Motto des 5. Kunstsalons, der damit zu seinen Ursprüngen zurückkehrt. „Im letzten Jahr gab es zu viele herkömmliche Galerien, jetzt haben wir wieder verstärkt Kuratoren- und Künstlerprojekte eingeladen“, erklärt Edmund Piper, Kunstsalon-Gründer und Fotograf. Man gibt sich unkommerziell, wild und experimentell. Da darf es bisweilen trashig zugehen wie bei Guillaume Daeppens „Born to be Punk“ oder im „Kunstraum Richard Sorge“, kuratiert von Hans Booy und Paulus Fugers.

Insgesamt erweist sich der Anspruch von Piper und Eiko Sabela auf „neu zu entdeckende Talente“ nicht als Plattitüde. Mirja Schellbachs Serie „Versteckte Portraits“ (um 1200 Euro) vereint reliefartige Fotografien mit ausgeklügelten Schattenbildern. Susanne Rottenbacher fasziniert mit changierenden Lichtplastiken (als Installation 9000 Euro) und Yukihiro Taguchi, eingeladen vom Künstler-Kurator Amir Fattal, hat ein hinreißendes Video mitgebracht, in dem Holzbohlen als Protagonisten einen rasanten, performativen Spaziergang hinlegen ( je 25 Euro).

Überdimensionale Objekte und raumgreifende Installationen wie Leo Sterns „Das Volk“ unterstreichen den Aspekt des Unkommerziellen. Die kafkaeske Versammlung kriechender Riesenameisen war schon vor der Eröffnung verkauft. Nur was die Kommunikation betrifft, muss man dem Kunstsalon ein Defizit attestieren. Die Infos flossen spärlich, und man vermisst professionelle Eloquenz, wie sie bei den zwei anderen kleinen Schwestern des Art Forums zu finden ist.

So kann man dem Kunstsalon nur wünschen, dass er seine Position im überbordenden Angebot behauptet. Denn mit dem Relaunch und dem exzellenten Gespür für den Ort lädt er zu einer spannenden Entdeckungsreise. Etwas abenteuerlich, aber mit gutem Schuhwerk unbedingt empfehlenswert. Michaela Nolte

5. Berliner Kunstsalon, bis 3.11.; Sa/So 14 – 22 Uhr, Mo 12 - 20 Uhr. Humboldt-Umspannwerk, Kopenhagener Str. 56.

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