Brandenburgische Landesausstellung : Vertrag ist Vertrag

Auf Schloss Doberlug wird Geschichte erzählt. „Wo Preußen Sachsen küsst“ ist das Thema der Ersten Brandenburgischen Landesausstellung.

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Das Doberluger Schloss und das dazugehörige Kloster mit der Kirche St. Marien, links vor dem Schloss das Refektorium. Zustand nach dem Restaurierung 2012.
Das Doberluger Schloss und das dazugehörige Kloster mit der Kirche St. Marien, links vor dem Schloss das Refektorium. Zustand nach...Foto: Heike Lehmann

Nachbarn müssen sich nicht lieben. Aber einigermaßen miteinander auskommen sollten sie schon. So wie der brandenburgische Kurfürst Friedrich-Wilhelm und der sächsische Kurfürst Johann Georg II. Zumindest auf dem 1660 entstandenen Ölgemälde von Johann Fink: Da drücken sich die beiden Herren, fast zwillingsgleich aussehend in ihrem Ornat nebst wallender Perücke, in Freundschaft fest die Hand. Die dargestellte Eintracht entsprach nicht immer der Wirklichkeit. Partner sollten sie sein, Rivalen waren sie.

Wie kam es zu der schwierigen Beziehung – und was wurde daraus? Die Erste Brandenburgische Landesausstellung spürt der Geschichte in der Zeit von der Mitte des 17. bis zum 19. Jahrhundert nach.

„Wo Preußen Sachsen küsst“ lautet der Titel der Schau auf Schloss Doberlug, und dafür wurde auch das prachtvolle Gebäude selbst wie Dornröschen geweckt. Hier verlustierte sich der sächsische Kurfürst um 1740 bei der Auerhahnjagd, hier träumte König Friedrich II. von Preußen während des Siebenjährigen Krieges 1758 von einem philosophischen Leben mit Freunden. Und hier prüfte Kaiser Napoleon 1813, ob sich der Ort als Knotenpunkt von Heerstraßen befestigen ließ.

Nach 1814/1815, als der Wiener Kongress Europa neu ordnete, fielen große Teile Sachsens an Preußen. Am 23. Mai 1815 übernahm der preußische König Friedrich Wilhelm III. die Macht in der Niederlausitz, Einwohner über 20 Jahre hatten fortan die preußische Kokarde am Hut zu tragen. Schloss Doberlug wurde verkauft, die darin befindlichen Räume vermietet. So bewohnte etwa der Genremaler Adolf Theodor Werner (1827 – 1904) Jahrzehnte lang eine Zwölf-Zimmer-Wohnung im Schloss. Nach 1945 besetzten sowjetische Truppen und Offiziere das Gebäude, 1956 zog die Nationale Volksarmee ein und nutzte das teilweise umgebaute Schloss bis April 1989. Von 2002 an wurde es restauriert und lockt nun als „sächsische Perle in Brandenburg“.

„Sachsen ist wie ein Mehlsack“

Zu Füßen des Schlosses hatte Christian I. 1664 eine barocke Idealstadt errichten lassen, die Spuren in Brandenburg verblüffen. Das Städtchen hat so gar nichts Preußisches. Sachsen stand für Opulenz, Verspieltheit, Prunk. „Sachsen ist wie ein Mehlsack. Egal wie oft man daufschlägt, es kommt immer noch etwas dabei heraus“, soll König Friedrich II. gesagt haben. Kein Wunder, dass den Sachsen dessen Beiname „der Große“ bis heute nicht über die Lippen kommt. Warum das so ist, wird facettenreich aufgeblättert in der Ausstellung. Rund 300 hochkarätige Objekte tragen dazu bei.

Die Krone von August II., gefertigt von Johann Friedrich Klemm, Dresden, 1697.
Die Krone von August II., gefertigt von Johann Friedrich Klemm, Dresden, 1697.Foto: Elke Estel/Hans-Peter Klut

Schloss Doberlug ist der leuchtende Stern der Landesausstellung. Aber rundherum harren, sowohl in Brandenburg als auch in Sachsen, etliche Sternchen der Entdeckung. Zahlreiche kleine Orte locken mit „Partnerausstellungen“, in denen das große Thema in zusätzlichen Facetten beleuchtet wird.

In Bad Liebenwerda zum Beispiel begeben sich Interessierte unter dem Motto: „1815 – Als damals wir Musspreußen wurden / Als doamals mer Mußpreißen wurn“ zu den Puppenspielern. Die Region zwischen Elbe und Elster gilt als Wiege des sächsischen Wandermarionettentheaters. Schon vor 200 Jahren waren die geschickten Akteure unterwegs. Ihre Puppen hingen an seidenen Fäden – und kommentierten Gott und die Welt und natürlich auch die Folgen des Wiener Kongresses.

Im Schloss Branitz (Cottbus) wird unter dem Titel „Herrschaftszeiten – Adel in der Niederlausitz“ die Geschichte berühmter Adelsgeschlechter in dieser Region erzählt. Eine herausragende Stellung zwischen Sachsen und Preußen nimmt Hermann Fürst von Pückler-Muskau ein.

Luckau und die Lust am Leben

In Finsterwalde dreht sich alles um Paul Gerhardt. Sein Leben, seine Lieder und all die Legenden, die sich darum ranken. Paul Gerhardt zählt nicht nur zu den bedeutenden protestantischen Kirchenlieddichtern, sondern prägte auch die konfessionellen Auseinandersetzungen in Brandenburg und Sachsen nach dem 30jährigen Krieg.

In voller Pracht: Schloss Doberlug
In voller Pracht: Schloss DoberlugFoto: Marcus Mueller-Witte

Wie auf Geheiß des Alten Fritz eine Stadtanlage vom Reißbrett entstand, zeigt eine Sonderausstellung im Museum Kloster Zinna. Mit der Neugründung verbunden war der Hintergedanke, die nahe gelegene sächsische Tuchmacherstadt Jüterbog zu schwächen.

„Was Sachsen recht ist, ist Preußen billig – Die Eisenwerke der Grafen von Einsiedel“ heißt eine Schau in Lauchhammer. Die sächsische Industriegründung ging 1776 in den Besitz von Detlev Carl von Einsiedel über. Nach 1815 wurde das mittlerweile von seinem Sohn geführte Werk preußisch. Die Ausstellung porträtiert das Wirken der Fabrikantenfamilie zwischen zwei Ländern.

Und was brachten die Sachsen den Preußen bei? „Die Lust am Leben“ soll’s gewesen sein. So jedenfalls heißt eine Ausstellung in Luckau. Das Städtchen selbst ist architektonisch geprägt von Gebäuden aus sächsischer sowie preußischer Zeit. Im Niederlausitz-Museum von Luckau lässt sich die sächsische Lebensart in Preußen gut entdecken.

Die Geschichte war nicht immer rosig

Lübben liegt mitten im Spreewald. Klassisches Brandenburg, aber eben erst seit 200 Jahren. Die Ausstellung „Wie wir Preußen wurden – Das Ende des Markgraftums Niederlausitz 1815“ bereitet die Geschichte auf. Und die war nicht eben rosig. Der Übergang zu Preußen bekam der einst prosperierenden Stadt Lübben nicht, sie blutete aus und verarmte. Im Stadt- und Regionalmuseum Schloss Lübben werden die Veränderungen spannend veranschaulicht.

Man kann die Festung Senftenberg mit ihren dicken Mauern umrunden. Bis zum 17. Jahrhundert war hier „nur“ ein Schloss. Die Bollwerke wurden hinzugefügt, um die Stadt Dresden vor Brandenburg-Preußen zu schützen. Es nützte nichts. Denn nach dem Wiener Kongress befand sie sich unversehens auf preußischem Territorium. Die Schau gibt Aufschluss über die sich wandelnde Rolle der Festung.

Auch in Sachsen hat Doberlug Partner. Bautzen zum Beispiel. Dort wurde im Ergebnis des Wiener Kongresses das alte Markgraftum Oberlausitz in die sächsische und die preußische Oberlausitz geteilt. Das Museum Bautzen widmet sich den Ereignissen – natürlich aus sächsischer Perspektive.

In Görlitz heißt es „Beharren im Wandel – Der Adel Schlesiens und der Oberlausitz in neuerer Zeit“. Zahlreiche kunst- und kulturgeschichtlich wertvolle Objekte zeugen davon, die jetzt erstmals in einer Ausstellung zusammengeführt sind.

Erinnert wird auch an den Dichter aus Kamenz. Denn dort, im Sächsischen, wurde Gotthold Ephraim Lessing 1729 geboren. Entscheidende Jahre aber verbrachte er in Preußen – doch sein Verhältnis dazu blieb ambivalent.

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