Buchhandlung Ocelot meldet Insolvenz an : Experiment mit offenem Ausgang

Bereits am 30. Oktober hat der Gründer und Inhaber der Buchhandlung Ocelot, Frithjof Klepp, beim Amtsgericht Charlottenburg einen Antrag auf Insolvenz gestellt. Ursprünglich wollte er das "Leseerlebnis revolutionieren".

Tilman Strasser
Die blaue Blume: die Buchhandlung "ocelot,".
Die blaue Blume: die Buchhandlung "ocelot,".Foto: Yves Sucksdorff

„Not just another bookstore“ – dieses Versprechen prangt so ambitioniert wie unübersehbar in der Brunnenstraße am Rosenthaler Platz. Nachts leuchtet es gar in edlem Blau über dem Ladeneingang: Hier, mitten in Mitte, eröffnete vor gut zwei Jahren „ocelot,“. Die Buchhandlung mit dem Komma im Namen war angetreten, um – laut Eigenbeschreibung – „das Leseerlebnis zu revolutionieren“. Das will sie immer noch, doch ist sie dafür nun auf fremde Hilfe angewiesen.

Bereits am 30. Oktober sah sich Gründer und Inhaber Frithjof Klepp gezwungen, beim Amtsgericht Charlottenburg einen Antrag auf Insolvenz zu stellen. „Wir waren letztes Jahr einige Monate mit dem Onlineshop offline, das hat Schritte gekostet, die wir jetzt hinterher sind“, sagt er. „Hinzu kommen die Standort- und Personalkosten, gleichzeitig fehlt ein Marketingbudget.“

Die moderne Version eines stationären Buchhandels hatte viel Zuspruch erfahren. Mit edler Ausstattung und sorgfältiger Präsentation der Lektüreauswahl setzte sich „ocelot,“ ab – vom ramschigen Kiezladen ebenso wie von der an Masse orientierten Kettenkonkurrenz. Mit ocelot.de wurde auch die viel beschworene Alternative zu Amazon geboten: eine Plattform, die optisch und inhaltlich den Gegenentwurf zur Konsummaschinerie des Branchengiganten wagt und dabei denselben Service republikweit eigenständig leistet.

"Ocelot interessiert und fasziniert, weil es für die Lust an einem durchaus waghalsigen Experiment mit offenem Ausgang steht“, sagte UdK-Professor Stephan Porombka noch vor einem Jahr anlässlich des ersten Laden-Geburtstags. Inzwischen ist klar, dass dieses Experiment vorerst eigenverantwortlich fortgeführt werden kann – mit dem Ziel, das attraktive Weihnachtsgeschäft in die Sanierung mit einfließen zu lassen. Denn Aufgeben ist keine Option: „Wir sind wahnsinnig gut angenommen worden, hatten viel tolles Feedback, und die Entwicklung ist eindeutig positiv“, sagt Klepp. „Wir sind eben nur noch nicht dahin gewachsen, wo wir hinwollten.“

Er selbst habe einen hohen Betrag in das Projekt gesteckt und „sechs bis sieben Schichten pro Woche gearbeitet“, um den Traum von einem unabhängigen, dynamischen Geschäft am Leben zu erhalten, so der Unternehmensgründer. In Zeiten, in denen ehemalige Riesen wie Thalia ein Fünftel ihrer Ladenfläche für Duftseife und Pfannenwender freiräumen, hat das Gros des Buchhandels diesen Traum mitgeträumt. Nun sucht Klepp nach einem Investor oder Partner, der mit dafür sorgt, dass die Reise nicht schon bald zu Ende ist.

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