Buchpremiere : Bodo Morshäuser liest aus „Und die Sonne scheint“

Bodo Morshäuser liest aus seiner neuen Erzählung „Und die Sonne scheint“

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Chronist des Berliner Westens. Bodo Morshäuser.
Chronist des Berliner Westens. Bodo Morshäuser.Foto: M. Maurer

Ein Filmteam will zu einer Lesung von Bodo Morshäuser kommen und bei dieser Gelegenheit ein „Heimatfilmchen" drehen. Als der Schriftsteller im Vorgespräch seine überstandene Krebserkrankung erwähnt, entscheidet die Redaktion kurzerhand, das „Thema K. finde im Vorabendprogramm nicht statt“, und garniert die Absage mit guten Wünschen für den weiteren Lebensweg.

Morshäuser, 1953 in Berlin geboren, hat das selbst erlebt und sieben Jahre nach seinem letzten Roman „Beute machen“, der noch bei Suhrkamp erschien, eine Erzählung darüber geschrieben. Sie trägt den Titel „Und die Sonne scheint“ (Hanani Verlag, Berlin, 148 Seiten, 16 €), was entfernt an Schillers Ausruf „Und die Sonne Homers, siehe! Sie lächelt auch uns“ erinnert und vieles bedeuten kann: die Hoffnung auf einen neuen Tag wie die Tatsache, dass die Sonne unabhängig von der Existenz des Betrachters erstrahlt.

Der Text erscheint zusammen mit einer Neuausgabe von Morshäusers Erzählung „Die Berliner Simulation“. 1983 enthielt dieser legendäre Text über das Verschwinden einer Engländerin am Wittenbergplatz die ganze Atmosphäre der dämmrigen Halbstadt West-Berlin. Im neuen Buch steht erst einmal alles still. Mit der ihm eigenen Lakonik beobachtet Bodo Morshäuser seinen gleichnamigen Protagonisten, der sich in einer selbstgenügsamen „Zweizimmerexistenz“ eingerichtet hat. Wie die Radiomoderatoren und Diskothekenbetreiber aus früheren Büchern erscheint er als ein Mann für zeitlich begrenzte Aufenthalte, maximal bereit zu einem mittleren Aufwand an Gedanken und Gefühlen.

Erst durch das Insistieren einer Freundin lässt er sich untersuchen und sieht sich in einem Therapie-Tunnel verschwinden. Er registriert die Veränderung seines Selbstbildes, liest sich durch onkologische Ratgeber und Essays samt deren „Metaphernorgien“. Am meisten aber schockiert ihn die Reaktion der Gesunden: „Die Überraschten, die wie Ertappte aussahen, dachten, sie sehen Geister oder Gespenster, denn in ihrer Welt gab es mich nicht mehr.“ Durch einen Umzug gelingt es ihm schließlich, den „alten Modus“ zu überwinden und ein anderer zu werden. Heute Mittwoch, den 2. April, stellt Bodo Morshäuser seine neue Erzählung im Berliner Buchhändlerkeller vor (20.30 Uhr, Carmerstr. 1).

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