Cannabis-Fund in Shakespeares Garten : Da wächst Gras drüber

Rüdiger Schaper raucht mit Shakespeare ein Pfeifchen. Das London des 17. Jahrhunderts war so viel wilder als unsere heutige Zeit.

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Rauchte William Shakespeare Gras? Forscher fanden Cannabis-Rückstände in seinem Garten in Stratford.
Rauchte William Shakespeare Gras? Forscher fanden Cannabis-Rückstände in seinem Garten in Stratford.Foto: dpa

Nüchtern waren die doch alle nicht. Goethe trank zum Frühstück eine Flasche Wein, Schiller berauschte sich, das war billiger, an den Dünsten fauler Äpfel, die in einer Kiste an seinem Schreibplatz vergammelten. Einer wie Baudelaire ließ sowieso nichts aus, trudelte durch „Künstliche Paradiese“ aller Art, und Poe, der schlimme Edgar Allan, soff, bis er in der Gosse landete. Warum also sollte uns die Meldung britischer Medien erschüttern, wonach Shakespeare Kiffer war?

In seinem Garten in Stratford hat man eine Pfeife gefunden mit Rückständen von Nikotin (was Wunder!) und Cannabis. Aha. Shakespeare hat Gras geraucht, das merkt man seinem „Sommernachtstraum“ ja an. Alles wild durcheinander, Orgie, Handwerker, Tiere, Royals, Wahnsinn! Und auch sonst: Der größte Dramatiker aller Zeiten hat mit Geografie und Geschichte frei jongliert. Bedröhnt also. Na und?

Nun weiß man über Shakespeare – nichts. Oder so gut wie nichts. Wer er war. Wer er wirklich war. Und woher er das alles genommen hat. Normalerweise drehen sich diese sommerlichen Meldungen um Shakespeares „wahre“ Identität. War’s doch die Queen mit Pseudonym? Oder ein Edelmann? War Shakespeare schwul, wie die Sonette nahelegen?

Willy smokes weed!

Daher ist die Freude groß, wenn man etwas entdeckt zu haben glaubt, das den Mann, der Shakespeare war, plastischer erscheinen lässt. Menschlicher. War er krank, gar leidend? Cannabis ist schon im Mittelalter in Europa nachgewiesen. Bei den Apothekenkräutern, zu Heilzwecken. Genau wie heute. Legalize it! Die Bewegung kann sich sofort einen ganz Berühmten auf die Fahnen schreiben. The Pope smokes dope, so hieß es früher auf Kneipentoiletten. Und jetzt: Willy smokes weed!

Schauspieler und Regisseure, Theaterleute überhaupt lässt das alles kalt. Die kennen den Laden, komischer Beruf. Das klappt nicht ganz ohne Drogen, das alte Rein-in-die-Rolle-raus-aus-der-Rolle-Spiel. Shakespeares Kollege Christopher Marlowe ging nicht nur als Verfasser eines „Faust“ in die Geschichte ein, sondern auch als Rauf- und Saufbold. Und wenn man sich die Sitten im London des 17. Jahrhunderts anschaut, dann leben wir heute alle im Kloster. Ins Theater ging man natürlich auch, aber wichtiger waren vorher und nachher Völlerei und Sex. Was soll da ein Cannabispfeifchen? Shakespeares Tagebücher, das wäre mal eine feine Entdeckung. Da hätten wir was, so in der Art: Hamlet fertiggeschrieben. Gras geraucht. Nicht gut vertragen. Widerliches Kopfsausen. Stück hat auch keinen richtigen Schluss. Am Ende alle tot, Gift und Gemetzel. Der schwarze Afghane taugt nichts. Pfeife aus dem Fenster geworfen.

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