Claudia Piñeiro: „Ein Kommunist in Unterhosen“ : Geschichte eines Widerstands

In „Ein Kommunist in Unterhosen“ beschreibt Claudia Piñeiro die Problematik von Mitläufertum und Zivilcourage in Zeiten der argentinischen Diktatur.

Raphael Mühlhölzer
Buchcover von "Ein Kommunist in Unterhosen".
Buchcover von "Ein Kommunist in Unterhosen".Foto: promo / Verlag

Die gute alte Achtundsechziger-Parole „das Private ist politisch“ könnte Pate gestanden haben für diesen neuen, jetzt auch ins Deutsche übersetzten Roman der argentinischen Schriftstellerin Claudia Piñeiro. Schon der Titel deutet diese Verschränkung an: „Ein Kommunist in Unterhosen“. Und auch wenn man dabei zunächst an einen humorigen Text über einen schrulligen Außenseiter denkt, so ist dieser Romantitel doch gut gewählt.

Der nur spärlich bekleidete Rebell ist nämlich der Vater der namenlosen Erzählerin. Zwar liebt und verehrt die 13-Jährige ihn über alle Maßen, gerät durch seine Eigenheiten und seine Ideologie jedoch zunehmend in eine prekäre Lage. Denn die Väter ihrer Freundinnen sind einfach ganz anders. Und da es die Pubertät nun mal mit sich bringt, dass man lieber dazugehören als auffallen möchte, schweigt sie sich über ihren Vater aus – und würde doch eigentlich so gern von ihm schwärmen.

Piñeiro Roman spielt im argentinischen Sommer von 1976

Begründet sich dieses Schweigen zu Beginn des Romans noch mit der Scham der Tochter, so bekommt es mit dem Fortgang der Erzählung eine politische Dimension. Es ist nämlich nicht irgendein argentinischer Sommer, sondern der des Jahres 1976, als die Militärjunta den glücklosen Regenten Peron wegputscht und die Schreckensherrschaft von General Videla beginnt.

Nun ist es nicht mehr peinlich, dass der Vater sich als Kommunist bezeichnet, sondern gefährlich. Auf dem Schulhof machen Geschichten von Verschleppungen die Runde, und dem Regime wohlgesonnene Lehrer fühlen auch der Erzählerin auf den familiären Zahn. Als ihr dann auch noch die Rolle der Fahnenträgerin bei der Einweihung eines nationalen Denkmals angetragen wird, muss sie sich zwischen Vaterlandsliebe und Liebe zum Vater entscheiden.

Problematik von Mitläufertum und Zivilcourage

Durch die Augen eines adoleszenten Mädchens vermittelt die 1960 in Buenos Aires geborene Claudia Piñeiro die Problematik von Mitläufertum und Zivilcourage in Zeiten der argentinischen Diktatur. Die betont kindliche Erzählweise lässt die Tragweite von tyrannischer Brutalität und Unterdrückung umso größer erscheinen, und so entwickelt sich „Ein Kommunist in Unterhosen“ zu einer genauso rund erzählten wie auch sehr persönlichen Widerstandsgeschichte.
Claudia Piñeiro: Ein Kommunist in Unterhosen. Roman. Aus dem Spanischen von Peter Kultzen. Unionsverlag, Zürich 2014. 212 S., 19,95 €.

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