Comic-Künstler Hansrudi Wäscher gestorben : Große Piccolos

Von Ritter "Sigurd" über "Tibor" bis zu "Nick, der Weltraumfahrer": Zum Tod des erfolgreichsten deutschen Comic-Künstlers Hansrudi Wäscher.

Martin Jurgeit
Hansrudi Wäscher, 2005
Hansrudi Wäscher, 2005Foto: Manfred Wildfeuer

Als Hansrudi Wäscher 2008 auf dem Internationalen Comic-Salon Erlangen für seine „Pionierleistung für den deutschen Comic“ mit dem Max-und-Moritz-Preis ausgezeichnet wurde, war dies die späte Ehrung für einen bedeutenden Comic-Künstler, der in der deutschsprachigen Comic-Szene über Jahrzehnte eine singuläre Stellung hatte.

Denn Hansrudi Wäscher war der erste deutsche Zeichner, der fast sein gesamtes Berufsleben den Comics widmete – und das mit einem Erfolg beim Publikum, von dem heutige Comic-Künstler nur noch träumen können. Denn gleich sein Debüt 1953 war fulminant: Von der Ritterserie „Sigurd“, die Wäscher für den später auch in Berlin ansässigen Lehning Verlag zeichnete, verkauften sich Woche für Woche mehr als eine halbe Million Hefte. Ermöglicht wurde dieser Erfolg durch das aus Italien stammende Format der Streifenhefte, den sogenannten Piccolos. Die kleinen Heftchen konnten sich Kinder und Jugendliche auch in den fünfziger Jahren schon für schmales Taschengeld leisten.

Mit "Falk" hatte er auch in Frankreich Erfolg

Diese Art von Comics kannte Wäscher bestens aus seiner eigenen Kindheit, die er zeitweilig in der italienischen Schweiz in Lugano verbrachte. Hansrudi Wäscher, der 1928 in St. Gallen geboren wurde und somit nur wenige Jahre älter als seine jugendliche Zielgruppe war, wusste nur zu gut, worauf es bei der Gestaltung von Piccolo-Abenteuern ankam. Dabei machte der Comic-Autodidakt alles selbst: Vom Szenario über die Zeichnungen bis hin zum Titelblatt hatte er alle Arbeitsprozesse in der Hand.

Besondere Sorgfalt legte er auf einen gelungenen Einstieg, ein furioses Cover und einen packenden Hefttitel – und auf ein großes Heftfinale, das stets einen nervenzehrenden Cliffhanger hatte, damit seine Leserschaft fieberhaft die Fortsetzung erwartete. Diese Stilelemente behielt er auch meisterhaft bei, als die kleinen Piccolos längst durch Großbände verdrängt wurden, also richtige Comic-Hefte im Format der „Micky Maus“.

Auch wenn Wäscher über die Jahre unterschiedlichste Genres wie Science Fiction („Nick, der Weltraumfahrer“), Dschungelabenteuer („Akim“, „Tibor“) oder Western („Buffalo Bill“) bespielte, bleiben vor allem seine Ritterabenteuer in Erinnerung. Mit der Serie „Falk“ konnte er in den sechziger Jahren sogar in Frankreich reüssieren, als erster deutscher Comic-Künstler überhaupt.

Dass die Helden von Hansrudi Wäscher in der Zukunft nicht so schnell in Vergessenheit geraten, dafür sorgt eine neue Generation von Zeichnern, die seine Serien bis heute weiterführt, wenn auch inzwischen für einen eher exklusiven Leserkreis. Unlängst wurde bekannt, dass die Constantin Film sich die Filmrechte an „Sigurd“, „Falk“ und „Tibor“ gesichert hat. Am Donnerstag ist Wäscher in Freiburg im Alter von 87 Jahren verstorben.