16. Comic-Salon Erlangen : Kritik und Lob zum Abschluss

Kaum Manga, kaum Feiern und ein fehlender Stifter: Teilnehmer und Veranstalter ziehen trotzdem ein überwiegend positives Fazit des 16. Internationalen Comic-Salons in Erlangen.

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Reichlich Anschauungsmaterial. 25000 Besucher wurden in diesem Jahr gezählt.
Reichlich Anschauungsmaterial. 25000 Besucher wurden in diesem Jahr gezählt.dpa

Der 30. Geburtstag des Internationalen Comic-Salons wäre eigentlich Grund genug zum Feiern gewesen. Doch sich selbst Feiern wollte man in Erlangen nicht. Die Festivalleitung gab zu verstehen, dass man sich im Vorfeld bewusst dazu entschieden habe, auf eine eigene Party zu verzichten. Außerdem habe ja der Interessenverband Comic e.V. (ICOM), der der eigentliche Gründer des Festivals ist, ja kurzfristig eine entsprechende Veranstaltung organisiert.

Die fehlenden Festivitäten waren dann neben den Besucherzahlen, Manga und dem Max-und-Moritz-Preis auch ein Thema, über das Moderator Lutz Göllner am Sonntag zum Abschluss mit Festivalleiter Bodo Birk, Lukas Wilde (Comic Solidarity) und den Verlagsvertretern von Egmont, Carlsen und Reprodukt diskutierte. Obgleich das Fazit sehr positiv ausfiel, gab es auch kritische Stimmen aus dem Publikum, auf die Birk ausführlich einging.

Sowohl das neue Graphic-Novel-Programm von Egmont, wie auch die Reihe der Kindercomics bei Reprodukt wurden vom Publikum gut angenommen. Selbiges konnte auch Carlsen berichten. Mit „Comic Solidarity“ stellte sich zum ersten Mal auf einem deutschen Festival ein Interessenverband für Künstler von Webcomics vor. Festivalleiter Birk war erfreut über diese neuen Einflüsse, aber auch darüber, dass ein eher schweres Thema wie der Erste Weltkrieg gut von dem Publikum angenommen wurde.

Mehr als 25 000 Besucher wurden gezählt

Mehr als 25 000 Besucher verzeichnete man in diesem Jahr auf dem Festival, das als das größte seiner Art im deutschsprachigen Raum gilt. Nach Rückfragen schlüsselte Birk die Zahlen auf: Jeder einzelne Besuch in der Heinrich-Lades-Halle und in den Satelliten-Ausstellungen wurde vermerkt. Das entspricht den Regeln, nach denen auch auf der Frankfurter Buchmesse oder auf der Documenta abgerechnet wird. In Verkaufszahlen übersetzt heißt das: Es wurden rund 8000 Karten verkauft, 3000 weitere gingen an Aussteller.

Der Internationale Comic-Salon 2014
Lesestoff. Am Sonntag endete nach vier Tagen der Internationale Comic-Salon Erlangen - mit 25.000 offiziell gezählten Besuchern.Weitere Bilder anzeigen
1 von 41Foto: Lars von Törne
23.06.2014 10:01Lesestoff. Am Sonntag endete nach vier Tagen der Internationale Comic-Salon Erlangen - mit 25.000 offiziell gezählten Besuchern.

Dass Bulls Press, der langjährige Stifter des Max-und-Moritz-Preises, nach 28 Jahren die Veranstaltung nicht mehr finanzieren wollte, stellte die Stadt Erlangen vor Probleme. Vor zehn Jahren hatte das Unternehmen mit Birk gesprochen, um ihm mitzuteilen, dass die Vermarktung von Comics nicht mehr das Hauptgeschäftsfeld sei und man sich als Stifter zurückziehen möchte. 2014 wurde die Finanzierung dann eingestellt. Die Stadt sucht derzeit nach einem neuen Stifter.

Auch innerhalb der Max-und-Moritz-Jury hat nach einiger Kritik ein Wechsel stattgefunden. Mit Isabel Kreitz wurde die zweite Frau in die Jury berufen. Die Künstlerin hat selbst mehrere Preise gewonnen und wird von Kollegen sehr geschätzt. Auch der neu hinzugekommene Tagesspiegel-Redakteur Lars von Törne steht für die Veränderung der Jury.

Positiv wahrgenommen wurde auch die Entscheidung keinen Preis in der Kategorie „Manga“ zu vergeben und die japanischen Comics (auch deutsche Produktionen) stattdessen in die anderen Kategorien einzureihen. Was zur Folge hatte, dass der Manga Billy Bat von Naoki Urasawa und Takashi Nagasaki überraschend zum besten internationalen Comic gewählt wurde. Japanische Zeichner suchte man in Erlangen jedoch vergeblich.

Als hoffnungsvollen Ausblick für die Zukunft erwähnte Bodo Birk noch, dass der Salon sich daran gemacht habe, analoges Bildmaterial aus 20 Jahren Comic Salon Erlangen zu digitalisieren und nach dem Wikipedia-Prinzip zu verschlagworten.

Auf dem Podium: Ralf Schneider (Egmont), Klaus Schikowski (Carlsen), Lutz Göllner, Lukas Wilde (Comic Solidarity), Dirk Rehm (Reprodukt), Bodo Birk
Auf dem Podium: Ralf Schneider (Egmont), Klaus Schikowski (Carlsen), Lutz Göllner, Lukas Wilde (Comic Solidarity), Dirk Rehm...Daniel Wüllner

 

Der nächste Comic Salon Erlangen findet vom 26. bis zum 29. Mai 2016 statt.

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