Comicmarkt : Aus für Comic-Zentrum der Frankfurter Buchmesse

Nach 14 Jahren schließt eine Institution der Szene. Eine Ursache ist paradoxerweise die zunehmende Anerkennung von Comics als ernst zu nehmende Kunstform.

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Das gibt's nie wieder: Das Comic-Zentrum lockte zahlreiche Besucher mit Veranstaltungen wie dieser mit dem neuen Asterix-Team im vergangenen Oktober.
Das gibt's nie wieder: Das Comic-Zentrum lockte zahlreiche Besucher mit Veranstaltungen wie dieser mit dem neuen Asterix-Team im...Foto: Lars von Törne

14 Jahre lang war das Comic-Zentrum der Frankfurter Buchmesse eine feste Anlaufstelle für alle, die sich für Comicserien, Manga, Cartoons oder Graphic Novels interessieren. Damit ist jetzt Schluss. „Das Comic-Zentrum gibt es nicht mehr“, sagte der bisherige Programmmanager des Comic-Zentrums, Wolle Strzyz, dem Tagesspiegel. Der Grund? Viele Verlage mit Comictiteln im Sortiment hätten sich anders orientiert. Sprich: Weg vom Auftritt im reinen Comicumfeld, hin zur Nähe verwandter Sparten wie Kunstbuch, Literatur oder Kinder- und Jugendbuch. Bereits in den vergangenen Jahren hatte es spürbare Abwanderungstendenzen aus dem Comic-Zentrum gegeben.

„Der Comic ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen.“

So präsentierten Verlage wie Reprodukt und Avant, deren Sortiment zu einem nennenswerten Teil erwachsene Leser literarisch und künstlerisch ambitionierter Werke anspricht, sich lieber in einer anderen Halle in der Nähe anderer junger Literaturverlage, als in der Comic-Halle. Und die Branchenriesen Carlsen („Tim und Struppi“ etc.) und Egmont-Ehapa (Disney-Comics, „Lucky Luke“ etc.), beide mit großem Schwerpunkt auf Kinder- und Jugendbuch, waren zwar anfangs auch mit einem Stand im Comic-Zentrum vertreten, hatten sich aber schon vor Jahren entschlossen, sich in einem einen einzigen Stand zu präsentieren, der seitdem im Kinder- und Jugendbuchbereich angesiedelt ist.

So gesehen kann man das Aus für das Comic-Zentrum auch positiv als eine Folge der zunehmenden Diversifizierung der deutschen Comiclandschaft und der zunehmenden Akzeptanz von Comics über die Fanszene hinaus betrachten.

Das möchte auch die Leitung der Buchmesse so verstanden wissen. „Die Frankfurter Buchmesse zieht sich nicht aus dem Comic zurück“, sagt Messesprecherin Katja Böhne. „Im Gegenteil.“ Vielmehr werde man künftig Aktivitäten im Bereich Comic „international verstärken“. Der Comic sei in den vergangenen Jahren aus Sicht der Messe „vielschichtiger und multidimensionaler“ geworden: „Der Comic ist in der Mitte der Literatur und in der Mitte der Gesellschaft angekommen.“ Daher werde es ab diesem Herbst auf der Buchmesse diverse Comicveranstaltungen quer über die Messe verteilt geben.

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Dennoch ist die Entwicklung für Freunde der Bilderzählung traurig, denn das Comic-Zentrum war nicht nur ein Sammelpunkt von Verlagsständen mit Comic-Profil, sondern bot mit einer Bühne, einer Leseecke und einer kleinen Ausstellungsfläche auch viele Austauschmöglichkeiten und Raum für Präsentationen und Gesprächsrunden. Außerdem fanden hier zahlreiche gut besuchte Signierstunden statt.

Von den Simpsons bis Asterix

Einzelne Comicveranstaltungen wird es auf der Frankfurter Buchmesse weiterhin geben, sagt Wolle Strzyz. Nämlich dann, wenn die jeweiligen Verlage, wie alle anderen Aussteller auch, dafür eine der zentralen Bühnen temporär mieten, die auch allen anderen Verlagen zur Verfügung stehen. Geballte Comic-Events an einem Platz und das dazugehörige opulente Programmheft wird es nicht mehr geben. Im vergangenen Jahr fanden im Comic-Zentrum während der Buchmesse rund 30 Podiumsveranstaltungen statt, so eine Zeichenvorführung mit „Simpsons“-Star Bill Morrison und ein Podiumsgespräch mit den neuen „Asterix“-Machern – vor jeweils Hunderten Zuschauern.

Ein sehr gut besuchtes Comic-Zentrum auf der einen, der Umzug einiger Comicverlage in andere Hallen auf der anderen Seite, führte allerdings zuletzt zu einem gewissen Missverhältnis. Dazu kommt, dass in diesem Jahr einige Comic-Dauergäste ihr Kommen gleich ganz abgesagt haben. So will der Panini-Verlag, in dem zahlreiche Superhelden-Serien erscheinen, keinen eigenen Stand mehr veranstalten und lädt seine Geschäftskunden stattdessen zu Gesprächen in einen angemieteten Sitzungssaal in einem Hotel gleich neben der Messe – was Panini Einsparungen im sechsstelligen Bereich bringen soll. Auch der Manga-Verlag Tokyopop ist dem Vernehmen nach bei der diesjährigen Frankfurter Buchmesse nicht mehr dabei.

Ein Hintergrund der Veränderungen ist offenbar auch der Zwittercharakter der Frankfurter Buchmesse. Als Fachmesse gestartet, hat sie sich in den vergangenen Jahren zumindest teilweise zu einer Publikumsmesse entwickelt. Vom Besucherandrang im Comic-Zentrum an den für Normalbesucher offenen Wochenendtagen fühlen sich aber wiederum die Fachbesucher teilweise erheblich gestört – was entsprechende Abwanderungsgedanken offenbar beflügelte.

Dazu kommt, dass sich die Frankfurter Buchmesse für Comicverlage zumindest in Hinsicht der Verkaufszahlen auf der Messe kaum rentiert, da dort wegen Vorgaben des Börsenvereins des Buchhandels nur in sehr begrenztem Umfang Bücher an die Messebesucher verkauft werden dürfen. Das ist bei anderen Messen anders.

Einige Veranstaltungen, die man bislang mit dem Comic-Zentrum verband, werden allerdings weiterhin stattfinden, sagt Wolle Strzyz. So die Kür des Deutschen Cartoonpreises und der Deutschen Cosplaymeisterschaft. Auch das diesjährige Gastland Finnland wird mit vielen Comic-Künstlern vertreten sein.

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