Comicverfilmung : Wie Asterix den Tee entdeckte

Der kleine Gallier reist in der vierten Realverfilmung der Comic-Reihe nach Britannien. Das Ergebnis, das an diesem Donnerstag in die Kinos kommt, ist eher schwerfällig.

Hanna Hauck
Stolze Bartträger: Edouard Baer als Asterix (links) und Gerard Depardieu als Obelix.
Stolze Bartträger: Edouard Baer als Asterix (links) und Gerard Depardieu als Obelix.Foto: dapd

Noch nie zuvor schien Asterix den Zuschauern so zum Greifen nah: Die erste Realverfilmung des Kultcomics von Albert Uderzo und René Goscinny kommt an diesem Donnerstag in 3D in die Kinos. Beste Voraussetzungen für eine Massenkeilerei in typischer Asterix-Manier, bei der die von den Köpfen geschlagenen Römerhelme nur so an den Zuschauern vorbei zu sausen scheinen. Eigentlich.

Tatsächlich beginnt der Film vielversprechend: Eine gewaltige Kriegsflotte des römischen Herrschers Caesar schwimmt gen Britannien. Ihren Kurs kreuzen nichts ahnend Piraten in einem abgetakelten Schiff. Innerhalb von Sekunden ist es Kleinholz. Wenige Zeit später hat Caesar Britannien erobert. Ganz Britannien? Nein, denn ein kleines Dorf angeführt von Königin Cordelia (Catherine Deneuve) leistet erbittert Widerstand.

Unterstützung erhoffen sich die Inselbewohner von ihren Nachbarn, den Galliern mit dem berühmten Zaubertrank. Königin Cordelia sendet deshalb ihren Berater Teefax (Guillaume Gallienne) aus. Er soll ein Fass mit dem Gebräu, das übermenschliche Kräfte verleiht, besorgen. Geleitschutz bieten ihm Asterix (Edouard Baer) und Obelix (Gérard Depardieu). Mit auf die Reise nehmen die beiden Gallier noch den Neffen ihres Häuptlings. Sie wollen aus dem pubertierenden, romantischen Jüngling Grautvornix (Vincent Lacoste) einen „echten“ Mann machen. Doch bald entstehen Spannungen zwischen Asterix und Obelix, und Grautvornix fällt den gefürchteten Normannen in die Hände.

Teepause zwischen Presswehen

Gleich zwei Comicbände dienten den Machern als Grundlage für ihren Film: „Asterix bei den Briten“ und „Asterix und die Normannen“. Optisch ist der neue Asterix-Realfilm zum Teil erstaunlich nah an den gezeichneten Originalen - und das nicht nur bei den Hauptcharakteren wie Obelix, der erneut grandios von Depardieu gespielt wird. Auch der Dieb etwa, der den Filmhelden ihr Zaubertrankfass stiehlt, sieht aus, als habe er einst Zeichner Uderzo Modell gestanden.

Anders als in den Filmen zuvor wird Asterix erstmals gespielt von Baer. Während Christian Clavier den blonden Gallier komödiantischer gab, ist Baer ein nachdenklicherer Held. Oder wie es Depardieu bei der Vorstellung des Filmes in Berlin ausdrückte: „Es ist das erste Mal, dass ich einen eleganten Asterix habe.“

Königlich: Catherine Deneuve als die Queen.
Königlich: Catherine Deneuve als die Queen.Foto: dpa

Liebevoll nehmen die Macher auch das bekanntlich ambivalente Verhältnis zwischen den Engländern und den Franzosen aufs Korn. So wundern sich die lebenslustigen Gallier über die Marotten der steifen, sehr auf Etikette bedachten Briten. Schlägt es fünf Uhr, lassen die für ein Tässchen heißes Wasser alles stehen und liegen - sogar eine werdende Mutter während der Geburt. Die nimmt es locker und bittet um etwas Milch für ihr Getränk. Auch Deneuve, ganz und gar eine majestätische Herrscherin, lässt sich durch nichts aus der Fassung bringen. Auch nicht, als die Römer mit Katapulten anrücken und ein großer Steinbrocken ihre Hündchen trifft.

Trotzdem will der Film nicht so richtig in Gang kommen. Schon bald nach dem Start schleppt er sich eher schwerfällig dahin, und das eigentliche Geschehen verliert sich in konstruiert wirkenden Beziehungsdramen. So fühlt sich Asterix mit Obelix unterfordert, Obelix verliert sein Herz an eine strenge Gouvernante und Grautvornix mischt sich in das Liebesverhältnis zwischen Teefax und seiner Verlobten ein. Ganz nebenbei „entdeckt“ Asterix dann auch noch den Tee. Dass die Helden in all dem Chaos das Fass mit dem Zaubertrank aus den Augen verlieren, wundert da wirklich nicht mehr.

(„Asterix & Obelix: Im Auftrag Ihrer Majestät“, Komödie, Frankreich/Ungarn 2012, 110 Minuten, FSK: 0, Verleih: Concorde Filmverleih, Regie: Laurent Tirard, Darsteller: Gérard Depardieu, Edouard Baer, Catherine Deneuve u.a.) Kinostart: 18.10.2012 (dapd)

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