„Hummel mit Wodka“ von Andreas Eikenroth : Kellerkinder auf großer Fahrt

Sex, Drugs & Rock’n’Roll – die Provinzversion: Andreas Eikenroths kurzweiliger Comic „Hummel mit Wodka“.

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Träume und Schäume: Eine Seite aus dem besprochenen Band.
Träume und Schäume: Eine Seite aus dem besprochenen Band.Foto: Edition 52

In einem Anfall von Aktionismus organisiert Paul eine Wochenendtournee für seine Band Katzov. Drei Auftritte in Hamburg! Euphorisch kommt der Sänger in den Probenraum, um seinen Mitmusikern die formidable Nachricht zu überbringen. Dummerweise hatte er sie vorher nicht gefragt - Schlagzeuger und Bassist haben schon andere Pläne. Es gibt Krach im Keller.

Paul kann nicht verstehen, dass die Hälfte der Amateurgruppe andere Prioritäten setzt als er. „Aber für mich geht die Band über alles!“ ruft der kleine Mann mit dem Seitenscheitel empört. Der Drummer findet das kindisch und Bassist Steffen will sich um seine Karriere als Buchautor kümmern. Sein Insiderbericht über den Theaterbetrieb – er arbeitet als Bühnentechniker – ist überraschend zum Bestseller geworden.

Holper-Tour über Kneipen- und Jugendzentrumsbühnen

Wie Paul eine Ersatz-Rhythmusgruppe engagiert und in Hamburg ein paar kleine Abenteuer auf und neben der Bühne erlebt, hat Andreas Eikenroth in seinem Comic „Hummel mit Wodka“ kurzweilig in Szene gesetzt. Der mit grobem Strich gezeichnete Band schließt an sein Debüt "Die Schönheit des Scheiterns" von 2013 an, in dem Paul und die Malerin Ina eine Affäre begannen. Die Geschichte endete mit ihrem abrupten Abschied aus der Kleinstadt. Wegen eines Studienplatzes ging sie nach Hamburg.

In der Fortsetzung erfährt man nun, dass die Beziehung langsam eingeschlafen ist. Paul gibt vor, die Sache locker zu nehmen und sich nichts mehr auszurechnen. Nur glaubt man ihm das nicht so ganz. Wieso organisiert er dann ausgerechnet in Hamburg die Gigs für seine Band? Natürlich gibt es ein Wiedersehen mit Ina. Es ist in allerlei Turbulenzen eingebettet, bei denen viel Bier und Wodka im Spiel sind.

Fortsetzung folgt? Das Cover des besprochenen Bandes.
Fortsetzung folgt? Das Cover des besprochenen Bandes.Foto: Edition 52

Andreas Eikenroth wohnt in Gießen und er spielt selbst in einigen Bands, was sicherlich zu seiner liebevoll-glaubwürdigen Darstellung der Amateurmusiker beigetragen hat. Bei aller Anti-Glamourösität lässt er sie nie wie lächerliche Provinzversager aussehen. So kann Paul, wenn‘s drauf ankommt, auch mal zulangen oder sich entschuldigen, wenn er sich wie ein Idiot aufführt.

Am Ende der Holper-Tour über Hamburger Kneipen- und Jugendzentrumsbühnen zeigt ein Verlagsmanager vages Interesse an Katzov. Paul versteht es natürlich gleich als Angebot für einen Plattenvertrag. Das wird wohl eher nichts. Oder doch? Es wäre schön, das in einem weiteren Teil zu erfahren.

Andreas Eikenroth in „Hummel mit Wodka“, Edition 52, 114 S., 12 €.

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