Jan Bauers "Der salzige Fluss" : Selbstfindung im Outback

Der Hamburger Comicautor Jan Bauer erzählt in seiner visuell beeindruckenden Graphic Novel "Der salzige Fluss" von einer Wanderung durch die australische Wildnis - und von einer Liebe mit Hindernissen.

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Ich bin dann mal weg: Ein Selbstbildnis von Jan Bauer.
Ich bin dann mal weg: Ein Selbstbildnis von Jan Bauer.Foto: Avant

Nach einem harten Jahr voller Trennungen und Abschiede reist der Hamburger Illustrator, Autor und Trickfilmkünstler Jan Bauer nach Australien, wo er am Queensland College of Art in Brisbane Animation studiert hat. Diesmal wird es jedoch weniger zivilisiert und akademisch: Seine einsame Extremwanderung entlang des "Lhere pirnte" - des salzigen Flusses - soll ihm helfen, auf 450 Kilometern wieder zu sich selbst zu finden und mit seinen inneren Dämonen fertig zu werden. Zudem möchte Bauer seine Grenzen kennenlernen und seinen Horizont erweitern.

Allerdings hat es sich mit der Einsamkeit erledigt, als der Outdoor-Freak aus Hamburg auf eine französische Wanderin trifft und sich mit jedem Schritt unter der glühenden Sonne ein bisschen mehr in die junge Morgane verliebt. Unterwegs durch trockene Wüstenabschnitte, ewiges Grasland, ausgedörrte Flussbetten und unberührte Berge mit versteckten Seen entwickelt sich zwischen den Wanderern in der Fremde immer mehr, und so wird Bauers Suche nach innerem Frieden trotz der sagenhaften Kulisse und der endlosen Weite schnell wieder eine beengende, ganz schön komplizierte Kiste.

Zwischen Annäherung und Entfernung

Mit jedem Kilometer häuft sich bis zum unvermeidlichen Abschied neuer emotionaler Ballast an. Dabei reift eine späte Erkenntnis, die der Wanderer und Künstler wie viele andere persönliche Details mit seinem Leser teilt: Das Leben findet an den seltsamsten Orten einen Weg - und geht auch weiter, wenn der gemeinsame Weg wieder zu Ende ist.

Innere Dämonen: Eine Seite aus dem besprochenen Band.
Innere Dämonen: Eine Seite aus dem besprochenen Band.Foto: Avant

Jan Bauers autobiografisches Comic-Debüt "Der salzige Fluss" lebt von der Spannung zwischen seinem sympathischen Comic-Alter-Ego und dessen Reisegefährtin, wie sie sich mit Hindernissen annähern und letztlich wieder voneinander entfernen. Die angenehm kitschfreie Reise- und Liebesgeschichte des Dozenten für Trickfilm und Illustration, die ungekünstelt die Probleme von erwachsenen Erwartungen und Gefühlen thematisiert, überzeugt durch Aufrichtigkeit und Charme - und dadurch, dass man sich mit den Themen unabhängig von der exotischen Umgebung zu jeder Zeit identifizieren kann.

Zum anderen sind da die herrlichen Outback-Panoramen. Bauers Bilder der beeindruckend vielfältigen australischen Landschaft sind keine Ablenkung vom realistischen emotionalen Kern der Geschichte, sondern eine stimmige Ergänzung und Auflockerung. Zusammen ergibt das einen starken Reise-Comic mit einem Helden, der auf strapaziösen, verschlungenen Wegen zu sich selbst wandert.

Jan Bauer: Der salzige Fluss, Avant, 240 Seiten, 19,95 Euro. Leseprobe auf der Website des Verlages.

Der Blog unseres Autors Christian Endres findet sich hier: www.christianendres.de.

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