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Nachruf : Moebius' letzte Reise

Die Comic-Welt trauert um Jean Giraud, der mit Serien wie „Blueberry“ und „John Difool“ das Medium weiterentwickelte wie kaum ein anderer Künstler.

Traumwelten: Eine typische Moebius-Szene.
Traumwelten: Eine typische Moebius-Szene.

Der französische Comic-Künstler Jean Giraud alias Moebius ist tot. Der Zeichner und Szenarist starb am Samstag im Alter von 73 Jahren in Paris, teilte eine enge Mitarbeiterin der französischen Nachrichtenagentur AFP mit. Er sei seit langem krank gewesen. Giraud galt als einer der einflussreichsten Künstler der zeitgenössischen Comicszene.

Giraud hatte mit Abenteuer- und Science-Fiction-Comics Weltruhm erlangt. Zu seinen großen Werken gehören die „Blueberry“-Bände und die Weltraumsaga „John Difool“, die wie die meisten fantastischen Werke unter der Signatur Moebius erschien. Der Franzose arbeitete auch an Filmen wie „The Abyss“ und „Das fünfte Element“ mit. Für den Hollywood-Erfolg „Alien“ von Ridley Scott entwarf Giraud die Raumanzüge.

In Deutschland war Giraud im Jahr 2000 auf dem Internationalen Comic-Salon in Erlangen mit einem Sonderpreis für sein herausragendes Lebenswerk geehrt worden. Seine Science-Fiction-Comics seien „Glanzpunkte des Erwachsenencomics“, entschied die Jury damals.

Zuletzt wurde Giraud von Oktober 2010 bis März 2011 mit einer Retrospektive in der Pariser Fondation Cartier geehrt. „Ich glaube, dass der Künstler nicht wirklich dazu da ist, die Gesellschaft zu kommentieren. Seine Rolle besteht vielmehr darin, Türen zu öffnen, gewisse Wege aufzuzeigen und auf die möglichen Wege hinzuweisen“, sagte er seinerzeit in einem Interview des belgischen Magazins „Focus Vif“.

Unter dem Titel „Moebius - Zeichenwelt“ brachte der Autor Andreas Platthaus 2003 eine Monografie über den Zeichner heraus. Er beschreibt darin auch die Anfänge des Künstlers, der 1963 unter seinem bürgerlichen Namen in dem populären Comic-Magazin „Pilote“ sein Debüt mit der Serie „Blueberry“ gab. Das Werk um einen amerikanischen Kavallerie-Leutnant war Ausdruck seiner Liebe zum Western und machte Giraud berühmt. In den 70er Jahren kam dann die Space-Saga „John Difool“ heraus.

Ein Leben für den Comic: Giraud - hier vor einem seiner als Moebius geschaffenen Motive - veröffentlichte seit 1963 seine Geschichten.
Ein Leben für den Comic: Giraud - hier vor einem seiner als Moebius geschaffenen Motive - veröffentlichte seit 1963 seine...Foto: AFP

Während Girard mit „Blueberry“ die Vollendung eines Genres betrieb, bemühte er sich als Moebius um einen vollständigen Umsturz der Prinzipien des Comics, schreibt Platthaus. Nicht die handwerkliche Perfektion sollte dabei im Mittelpunkt stehen, sondern Spontaneität und künstlerische Individualität.

Auf Deutsch sind seine Werke unter anderem bei Ehapa (hier geht es zur Verlags-Website), Splitter (Website hier) sowie im Verlag Cross Cult erschienen (Website hier). (dpa/dapd)

Hinweis: Einen Tagesspiegel-Nachruf finden Sie in unserer Montagsausgabe und demnächst auch auf unseren Onlineseiten.

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