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Sex im Comic : Strich für Strich zum Höhepunkt

11.09.2012 18:46 Uhrvon
Lesbisches Intermezzo: Eine Szene von Tagesspiegel-Zeichner Mawil. Foto: ZwerchfellBild vergrößern
Lesbisches Intermezzo: Eine Szene von Tagesspiegel-Zeichner Mawil. - Foto: Zwerchfell

Hetero oder homo, devot oder dominant: Die erotische Anthologie „Bettgeschichten“ gibt einen lustvoll-voyeuristischen Überblick über das Können der deutschsprachigen Independent-Szene. Dabei zeigen die 18 Beteiligten mehr, als manchem Leser lieb sein mag.

Pornografische Inhalte im Comic sind vermutlich so alt wie das Medium selbst. Die aus den USA stammenden Tijuana Bibles oder Eight-Pagers, benannt nach ihrem acht Seiten umfassenden Format, versahen Figuren wie Flash Gordon, Popeye oder Dagwood Bumstead (Dankwart Bumskopp aus Chic Youngs „Blondie“) mit einem heftig ausagierten Triebleben. Art Spiegelman hält die pornografischen Kleinode, die zwischen den 1920er bis 1960er Jahren erschienen, gar für die Wiege der amerikanischen Comic-Hefte: „Tatsache ist, obwohl sich bisher noch keiner die Mühe gemacht hat, das auch zu sagen, dass die Tijuana Bibles die allerersten Comic-Hefte in Amerika waren.

Sie waren mehr als die bloßen Reprints von alten Zeitungsstrips und sind fünf bis zehn Jahre älter als das, was wir für gewöhnlich als Beginn des Typus des Comicbook ansehen.“

Im deutschen Comic fanden sexuelle Inhalte im größeren Maß Eingang durch Underground Comix der 1960/70er Jahre, vornehmlich durch Übersetzungen von zuerst amerikanischen und später französischen Werken durch Verlage wie März, Melzer oder den Volksverlag. Letzterer nutzte eifrig den Terminus „Comics für Erwachsene“ und veröffentlichte 1981 unter anderem Mali & Werners „Neue Porno Comix“ sowie W. V. Hertz´ „4 oder keine Reise gen Italien“. Dies waren Arbeiten, die explizite Darstellungen sexueller Natur beinhalteten - von sonst mit anderen Themen befassten deutschen Künstlern. Beide Ausgaben wurden von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften indiziert.

Versuchen des Kauka-Verlages zu Beginn der 1970er Jahre mit einer Mischung aus lizensiertem Material und zum Teil in Eigenregie produzierten Stoffen im Magazin „Pip“ zu reüssieren, war kein anhaltender Erfolg beschieden. Hier wurde allerdings auch keine harte Pornografie dargeboten, sondern schlüpfriger Softsex.

Beschränkungen von Seiten der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften, heute BPJ Medien, unterlag während der 1980/90er Jahre das Magazin „Schwermetall“, welches Material aus Frankreich und den USA („Métal Hurlant“ und „Heavy Metal“) für den deutschen Markt aufbereitete, aber auch deutschen Zeichnern eine Veröffentlichungsmöglichkeit bot.

Unter Indizierung oder gar Dauerindizierung litten im selben Zeitraum besonders die am deutschen Underground-Magazin ‚Menschenblut‘ beteiligten Autoren und Zeichner, welches eigentlich „nur für Erwaxene“ bestimmt war. Doch die dortige fortwährende realistische Darstellung von Sex und Gewalt fand nicht viele Freunde bei staatlichen Jugendschutzbeauftragten.

Begegnung in der Boutique: Eine Szene von Maike Plenzke. Foto: ZwerchfellBild vergrößern
Begegnung in der Boutique: Eine Szene von Maike Plenzke. - Foto: Zwerchfell

Dem Dunstkreis von „Menschenblut“ entstammende Künstler wie Matthias Schultheiss führten derartige Traditionen später an Hand der BPJS-Indizierung eigener Titel fort. Die des Schultheiss-Titels „Kalter Krieg“ von 1985 war allerdings sozialethischer Natur und wurde mit der Einschätzung begründet, der Autor würde durch seine Schilderung und Darstellung bestimmter Ereignisse „der Jugend keine Hoffnung machen“. Mit dem 1991 bei Hummel Comics veröffentlichten „Talk Dirty“, welches pornografische Elemente beinhaltete, hatte Schultheiss dagegen keine Schwierigkeiten mehr – die Zeiten und Wertvorstellungen waren im Wandel. Und 2006 störte sich niemand mehr daran, dass „Spiegel Online“ in seinem Portrait des ehemaligen „Menschenblut“-Zeichners Toni Greis süffisant auf dessen pornografische „Alraune“-Reihe verwies. Heutzutage kann Greis´ ehemaliger Mitstreiter Geier nach einem Hardcore-Porno wie „Arsinoe“ seinen zugegebenermaßen etwas zahmeren Soft-Sex-Comic „Horst“ bei Panini veröffentlichen. Ebendort im Programm befindlich ist der Versuch eines Pornos namens „Honigfeigen“ von Autorin Sanni Kentopf - bei dem allerdings Rochus ‚Robi‘ Hahn, früher auch bei „Menschenblut“ tätig, als Co-Autor die Finger mit im Spiel hatte und der, wie so oft, durch einem männlichen Zeichner, Alberto Saichann, grafisch umgesetzt wurde.

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