Steinzeit-Comic „Mezolith“ : Unter Jägern und Sammlern

Die in der Steinzeit angesiedelte Comicreihe „Mezolith“ lädt ein zur Zeitreise in eine Welt, in der Traum und Wirklichkeit ineinander übergehen.

Christoph Haas
Überlebenskampf: Eine Seite aus dem zweiten Band. Foto: Cross Cult
Überlebenskampf: Eine Seite aus dem zweiten Band.Foto: Cross Cult

Abenteuer-Comics, die in der Steinzeit angesiedelt sind, gibt’s nicht gerade viele. Warum eigentlich? Wahrscheinlich liegt es an der Notwendigkeit, eine aufwendige Recherche betreiben zu müssen. Wer von archaischen Welten, vom Leben mit Lendenschurz erzählen will, begibt sich lieber gleich in die Fantasy oder ins Science-Fiction-Subgenre der postapokalyptischen Geschichten – in beiden Fällen kann man munter drauflos fabulieren; das Bemühen um historische Korrektheit spielt keine Rolle.

Der Szenarist Ben Haggarty und der Zeichner Adam Brockbank, beide aus England, haben sich für „Mezolith“ dagegen gründlich in die Epoche ihrer Wahl vertieft, um ihr so weit wie möglich gerecht zu werden. Im Mittelpunkt der Serie steht der anfangs etwa elfjährige Junge Poika, der vor 10.000 Jahren als Mitglied des Stammes der Kansa an der Ostküste Britanniens lebt. Ackerbau wird noch keiner betrieben; Jagen und Sammeln bestimmen den Alltag. Honig und Schlangeneier sind Delikatessen. Für das Erlegen von Großwild bedarf es klug geplanter Hetzen, an denen Männer und Frauen teilnehmen.

Permanenter Kampf ums Überleben

Die beiden Bände von „Mezolith“, die bislang bei Cross Cult auf Deutsch vorliegen, bestehen aus Kurzgeschichten, die aufeinander aufbauen. Vom Kind, das lässig in einer Wiese liegt, wächst Poika zum jungen Mann heran, der schrittweise in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen wird und offenbar schamanistisch begabt ist. Zudem wird er zum Beschützer eines Mädchens, das die anderen wegen eines großen roten Mals im Gesicht verspotten.

„Mezolith“ ist einerseits fast dokumentarisch angelegt. Dies zeigt sich auch in der Physiognomie der Figuren. Der permanente Kampf ums Überleben lässt sie schnell altern, fügt ihnen tiefe Falten und Versehrungen aller Art zu. Wenn Poika von einem wütenden Stier auf die Hörner genommen wird, sieht er danach wie gemartert aus. Andererseits hat die Serie immer wieder phantastische Züge. Mythen und Magie sind allgegenwärtig. Ob tatsächlich Übernatürliches passiert oder ob dieses nur in Erzählungen und Visionen präsent ist, wird aber klugerweise offengehalten.

Eine ähnliche Balance wahren die gedeckt, erdhaft-floral kolorierten Zeichnungen, in denen Photorealistisches und Groteskes zugleich ihren Platz haben. „Mezolith“ lädt ein zur aufregenden Reise in eine Zeit, in der Traum und Wirklichkeit noch nicht streng voneinander geschieden sind.

Ben Haggarty und Adam Brockbank: Mezolith, bislang zwei Bände auf Deutsch, je 96 Seiten, je 25 Euro

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