Thierry Smolderens "Das Imperium des Atoms" : Reise ins Ich

Der Comic "Das Imperium des Atoms" setzt dem Sci-Fi-Autor Cordwainer Smith und dem Design der 1950er Jahre ein beeindruckendes Denkmal.

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Das Morgen von Gestern. Alexandre Clérisse setzt der Grafik und dem Design der 1950er Jahre ein beeindruckendes Denkmal setzen.
Das Morgen von Gestern. Alexandre Clérisse setzt der Grafik und dem Design der 1950er Jahre ein beeindruckendes Denkmal setzen.Carlsen

Paul ist Familienvater, Wissenschaftler, arbeitet für die US-Regierung  - und steht in telepathischem Kontakt mit außerirdischen Mächten. Über tausende von Jahren und Millionen von Kilometern hinweg kommuniziert er mit dem interstellaren Historiker Zarth Ann. Es ist die alte Geschichte von Genie und Wahnsinn, die in dem Album „Das Imperium des Atoms“ erzählt wird. Mit dem kleinen Unterscheid, dass diese hier stimmt. Zumindest so halb.

Für seinen kürzlich auf Deutsch erschienenen Band stützt sich der belgische Autor Thierry Smolderen auf die Biografie des Politikwissenschaftlers, Asien-Eperten, CIA-Mitarbeiters und Kennedy-Beraters Paul Linebarger. Dieser schrieb mit „Psychological Warfare“ nicht nur ein Standardwerk zum Thema, sondern unter dem Namen Cordwainer Smith auch eine ganze Reihe von Science-Fiction-Geschichten und –Romanen, die eine fiktive Chronologie der Menschheit im All über mehrere tausend Jahre nachzeichnen.

Gerüchten zufolge soll Linebarger außerdem hinter dem Pseudonym Kirk Allen stecken, das der Psychologe Robert M. Lindner einem Patienten gab, dessen Fall er 1954 in einem Aufsatz mit dem Titel „The Jet-Propelled-Couch“ beschrieb. Jener Kirk Allen litt an Wahnvorstellungen und hatte sich in einem selbst erschaffenen Universum verloren. Seine Biografie weist in der Tat Ähnlichkeiten zu der Linebargers auf, ob sie wirklich die selbe Person waren, ist allerdings bis heute umstritten.

Schöne neue Retro-Welt. Das Cover des Bandes.
Schöne neue Retro-Welt. Das Cover des Bandes.Carlsen

Biografie, Sci-Fi-Märchen und Spionagestory

Smolderen nimmt all diese Gerüchte und Fakten und konstruiert daraus eine verschachtelte Geschichte, die gleichermaßen Biografie, Science-Fiction-Märchen und Spionagestory ist und dabei so unterschiedliche Themen wie Kindesmissbrauch, Verdrängungsmechanismen, irre Welteroberungspläne und psychedelisches Brainstorming behandelt.

Alexandre Clérisse erzählt die anrührende Geschichte in Bildern, die nicht nur wunderschön anzusehen sind, sondern durch das Zitieren von alten Illustrationstechniken der Grafik und dem Design der 1950er Jahre ein beeindruckendes Denkmal setzen.

Thierry Smolderen und Alexandre Clérisse: „Das Imperium des Atoms“, Carlsen, 144 Seiten, 22,90 Euro

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