Cynan Jones: "Graben" : Brutale Dachse

Tiefschwarz: Cynan Jones’ Roman „Graben“. Der Roman erzählt von zwei Walisern, die unaufhaltsam in ein blutiges Duell hineingezogen werden.

Moritz Scheper
Störrisch, maulfaul: So porträtiert der walisische Autor Cynan Jones zwei seiner Landsleute.
Störrisch, maulfaul: So porträtiert der walisische Autor Cynan Jones zwei seiner Landsleute.Foto: PROMO

Ein zäher, verschlossener Menschenschlag lebt in dem hügeligen Landstrich im Westen Großbritanniens. In seinem Roman „Graben“ porträtiert der walisische Autor Cynan Jones zwei besonders störrische, maulfaule Exemplare seiner Landsleute, die gegensätzlicher kaum sein können. Zum einen Daniel, einen jungen Schafbauer, der den tragischen Verlust seiner Frau betrauert und die Bewirtschaftung seiner Farm kaum noch schafft. Zum anderen ist da „der große Mann“, Daniels Gegenspieler, ein dunkler Paria, der sich als Hundezüchter, Kammerjäger und Wilderer durch diese rohe, ländliche Lebenswelt schlägt.

Kurz, nüchtern und ganz ohne idyllisierende Landschaftsschilderungen schildert Jones den kalten Pragmatismus dieses rauen und auch brutalen Lebens. Beide Männer, der schwache wie der starke, gehen auf ihre Art ihrem blutigen Handwerk nach. Daniel muss einem verwachsenen Lamm, das noch halb im Geburtskanal steckt, den Kopf absägen, um dem Mutterschaf das Leben zu retten. Der „große Mann“ dagegen geht in den Nächten der Dachsjagd nach. Mal im Auftrag von Landwirten, häufiger jedoch, um die Dachse für illegale und unglaublich blutige Tierkämpfe zu organisieren.

Cynan Jones zielt auf den Showdown

Von Beginn an ziehen beide Figuren ihre Kreise immer enger aufeinander zu, alles läuft in diesem Roman auf den finalen Kampf zwischen den Männern hin. Doch fesselt „Graben“ nicht allein durch diese Anleihen beim Thriller-Genre. Vielmehr überzeugt einen dieser Roman durch die grobschlächtig-poetische Schönheit, die der Autor mittels seiner Wortkargheit herzustellen weiß, etwa wenn in Daniel „das Verstehen wie Erbrochenes“ aufsteigt.

Im Kontrast dazu steht das kunstvolle, äußerst subtile Arrangement der Motive, die selbst wiederum ganz und gar nicht subtil sind, wie zum Beispiel das ständige Graben oder das unentwegte Einschlagen von Schädeln. In seiner pragmatischen Erzählweise erinnert dieser kurze, wuchtige Roman an den erfolgreichsten Landroman der letzten Jahre, Gerbrand Bakkers „Oben ist es still“. Allerdings reichert Cynan Jones das profane Setting der Agrarregion mit der tiefen Schwärze und dem Schauer viktorianischer gothic novels an, was „Graben“ zu einer gleichermaßen rauschhaften wie schockierenden Lektüre macht.
Cynan Jones: Graben. Roman. Aus dem Englischen von Peter Torberg. Verlagsbuchhandlung Liebeskind. 174 Seiten, 16,90 €.