„Das Ding drehn“ von Hans Schefczyk : Fünf Millionen für den Ruhestand

Eine linksradikale Zelle will in Hans Schefczyks Roman „Das Ding drehn“ einen Coup landen, bevor sie sich auflöst. Das geht schief. Und wie. Ein rasanter, böser Milieu-Thriller.

Cover des Romans „Das Ding drehn“ von Hans Schefczyk.
Cover des Romans „Das Ding drehn“ von Hans Schefczyk.Foto: Transit Verlag

Der Betrug ist perfekt organisiert. Lutz Trede, V-Mann des Verfassungsschutzes, verliert in der Straßenbahn sein Portemonnaie samt Ausweis. Ronja, Mitglied der „ “, findet es, mag den Mann auf dem Foto, bringt ihm sein Eigentum nach Hause. Noch am selben Abend hat Trede Ronja da, wo er sie haben will: in einem engen Vertrauensverhältnis.

Mit „Das Ding drehn“ hat der Ex-Kölner Hans Schefczyk einen feinen politische Krimi verfasst – die literarische Auflösung der „Revolutionären Zellen“ gewissermaßen. Der 1953 geborene, heute in Frankreich lebende Autor kennt sich aus mit dem linksextremen Milieu, mit seiner polit-moralischen Radikalität bis zur Arroganz und seinen geradezu geheimdienstlerischen Kommunikationswegen.

Präzise erzählt

Die fünf Mitglieder einer Zelle treffen sich, um zu beraten, wie sie mit dem Ende der Bewegung umgehen sollen. Einige werden gesucht und können nicht zurück in unauffällige bürgerliche Existenzen. Also nehmen sie sich vor, ein letztes großen Ding zu drehen und mit dem Erlös einen unpolitischen Ruhestand zu finanzieren. Das Geld – fünf Millionen Mark werden gebraucht – wollen sie erpressen, ohne dass Menschen zu Schaden kommen. Anvisiertes Opfer: der Erbe einer Kette von Modehäusern, deren Filialen in europäischen Hauptstädten stehen. Das Prinzip: Nachts gezündete Sprengsätze bringen die Sprinkleranlage in Gang, der Schaden ist gigantisch.

Wie alle genialen Pläne geht auch dieser nicht auf. Schefczyks eng getakteter, präzise erzählter Roman wird immer schneller, nachdem die erste Geldübergabe gescheitert ist. Die Anarchos sprengen zur Strafe die Familiengruft des Unternehmers. Dabei wird einer von ihnen schwer verletzt und fällt für den nächsten Geldübergabeversuch aus. Ronja bringt ihren Liebhaber Lutz Trede ins Spiel. Und der plant den ganz großen Verrat.

Ein schlanker, starker Thriller über ein Milieu, das seine kriminelle Energie gerade in Deutschland politisch aufgeladen und verbrämt hat. Und dann floss Blut.

Hans Schefczyk: Das Ding drehn. Roman. Transit Verlag, Berlin 2017. 192 Seiten, 20 €.

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