• „Das Geheimnis der blauen Hirsche“ in der Deutschen Oper Berlin: Bekämpfe den Löwen in dir

„Das Geheimnis der blauen Hirsche“ in der Deutschen Oper Berlin : Bekämpfe den Löwen in dir

Preisgekröntes Kinderbuch trifft auf die Musik von Georg Friedrich Händel: Die Uraufführung von „Das Geheimnis der blauen Hirsche“ überzeugt nach holprigem Start.

Tomasz Kurianowicz
Geschwisterkampf: Mathias Becker als Raff (rechts) und Sopranistin Meechot Marrero als Lena (links).
Geschwisterkampf: Mathias Becker als Raff (rechts) und Sopranistin Meechot Marrero als Lena (links).Foto: Deutsche Oper Berlin

Lena kann sie sehen: 13 Mini-Hirsche krabbeln über ihren Körper und springen durch die Tischlerei der Deutschen Oper Berlin. Auch das Publikum sieht sie, also die Kinder und Eltern, die sich zur Premiere des Stücks „Das Geheimnis der blauen Hirsche“ auf den Treppenstufen niedergelassen haben. Jetzt kommt auch noch Raff hinzu, Lenas großer Bruder (gespielt von Mathias Becker), der seiner Schwester versichert, sie dürfe niemanden von den Hirschen erzählen. Sonst kommen sie nie wieder.

Das ist kein Irrsinn, sondern die szenische Uraufführung eines preisgekrönten Kinderbuchs (Regie: Annechien Koerselman). Die Musik kommt von Georg Friedrich Händel (in Bearbeitung von Sebastian Hanusa). Der Zuschauer betritt in den kurzweiligen 90 Minuten die bezaubernde Phantasiewelt eines Geschwisterpaares, das die Tiere heraufbeschwört, um eigene Konflikte besser zu verstehen: Raff ist impulsiv, eifersüchtig und emotionsgeladen. Er muss innere Löwen bekämpfen, um sich in der Welt der Erwachsenen zurechtzufinden – vor allem als er von der Mutter erfährt, dass ein neues Geschwisterchen auf dem Weg ist. Lena (gespielt von der Sopranistin Meechot Marrero), die ihre Stimmungen in Händels Arien einfängt, ist die ruhigere von beiden. Die Hirsche geben ihr Halt, Zuversicht und Hoffnung.

Das Stück beginnt zwar etwas holprig, entwickelt aber eine fesselnde Dynamik. Das liegt auch an der Musik von der Organistin Elda Laro und der Euphonium-Spielerin Noa Niv. Die Arien wirken in ihrer barocken Struktur wie gemacht für einen Ausflug in die Zauberwelt. Kein Wunder also, dass man nur staunende Kinder sieht, die in den Konflikten der Darsteller ein Stückchen der eigenen Identität entdecken. Und die Erwachsenen? Ebenso! Denn das lernt man auch an diesem Nachmittag: Hirsche und Löwen verschwinden auch später nicht. Sie können nur gebändigt werden.

Wieder am 6. und 9. bis 13. November

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