"Das große Spiel" an der Deutschen Oper : Bunt bleiben!

Der Jugendclub der Deutschen Oper begibt sich in "Das große Spiel" auf die Antwortsuche nach der Fragen von Gut und Böse.

Julia Müller
Gut und Böse: Szene aus der Aufführung des Jugendclubs.
Gut und Böse: Szene aus der Aufführung des Jugendclubs.Foto: Stephan Boegel

Brauchen wir eine Religion, die uns den Weg weist? Kämpft heute noch ein Engel für uns? Wo fängt religiöser Extremismus an und wie entsteht er? Fragen, die sich Jugendclub und Jugendchor der Deutschen Oper Berlin gestellt haben. In „Das große Spiel“ begeben sie sich auf Antwortsuche (szenische Leitung: Leonie Arnhold). Als Grundlage dient Emilio de Cavalieris Allegorie „Rappresentatione di anima e di corpo“ aus dem Jahr 1600. Es geht um den Körper, gesungen von Seth Carico, und um die Seele, gesungen von Bettina Ranch. Anima möchte nach Vollkommenheit streben, Corpo fragt sich, woran er glauben soll.

Sieben Jungschauspieler setzten die Thematik szenisch um: Auf dem Weg zu Gott begegnen ihnen zahlreichen Versuchungen und Verlockungen. Eine davon ist religiöser Fanatismus. „Wehrt euch gegen die Ungläubigen!“, brüllen sie, die Bühne ist in bedrohliches, rotes Licht getaucht. Alle sieben beginnen zu beten. Die Choreografie wirkt mechanisch, sie machen immer weiter damit. Es ist ein schauriges Bild, das hier gezeichnet wird. Ein Bild, aktueller denn je.

Jeder soll glauben, was er möchte

Die „Rappresentatione“ macht eine Welt auf, in der es Gut und Böse gibt. Das Bühnenbild in der Tischlerei fängt diese Aufteilung ein: Kartons sind zu einer Mauer aufgebaut, die Hälfte des Jugendchors trägt schwarz, die andere ist, engelsgleich, in weiße Kleider gehüllt. Es gibt die Guten, die Weißen, die Gläubigen, und es gibt die Bösen, die Schwarzen, die Ungläubigen, die Antagonisten Gottes.

Im Laufe der Inszenierung kristallisiert sich heraus, dass Gott nicht gut sein könnte, gäbe es nicht das Böse als Gegenspieler. Die sieben vielfarbig gekleideten Jungschauspieler müssen sich für eine Seite entscheiden. Das Publikum, darunter viele Kinder, wird mit einem hoffnungsvollen Bild entlassen: Eine bunte Mauer, die halb eingerissen ist. Blaue, rosafarbene, gelbe, grüne und rote Kartons bilden die Individualität der Gesellschaft und der Religionen ab. Jeder soll das glauben, was er möchte.

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