Das neue Archäologische Zentrum : Sprung aufs Festland

Das neu eröffnete Archäologische Zentrum an der Geschwister-Scholl-Straße präsentiert sich als Forum für moderne Schatzsucher. Dort werden die einst auf der Museumsinsel verstreuten archäologischen Sammlungen gebündelt. Das schafft Platz für neue Projekte.

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Turnhalle für die Wissenschaft: Das Archäologische Zentrum gegenüber der Museumsinsel.
Turnhalle für die Wissenschaft: Das Archäologische Zentrum gegenüber der Museumsinsel.Foto: Mike Wolff

Sie steht im Lichthof, die Sonne strahlt sie an, ein glänzendes Beispiel. Die im Zweiten Weltkrieg zerstörte, aus 1200 Stücken wieder zusammengepuzzelte Frauenfigur aus Basalt, ein 3000 Jahre altes Kunstwerk aus Tell Halaf im Nordosten Syriens, ist Zeugnis einer Erfolgsgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin, ihrer restauratorischen Pionierarbeit. Die "thronende Göttin", Lieblingsfigur ihres Entdeckers Max von Oppenheim, ist eine Ikone, eine Galionsfigur, Ansporn auch für all jene Wissenschaftler, die das neue Archäologische Zentrum der Staatlichen Museen betreten.

Mit einem Festakt wurde der Bau in unmittelbarer Nachbarschaft zur Museumsinsel am Mittwoch eröffnet, in Anwesenheit von Kulturstaatsminister Bernd Neumann und Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse. In dem 6700 Quadratmeter umfassenden Gebäude, dessen Kosten von rund 47 Millionen Euro der Bund trägt, sind die Kompetenzen der fünf archäologischen Sammlungen erstmals gebündelt. Büros, Depots, Werkstätten und Bibliotheken der Antikensammlung, des Ägyptischen und des Vorderasiatischen Museums, des Museums für Islamische Kunst und für Vor- und Frühgeschichte wurden zusammengelegt. Früher lagen sie verstreut auf der Museumsinsel.

Es ist zugleich der erste Sprung über das Wasser, über den Kupfergraben hinweg: womöglich ein Wechsel auf die Zukunft. Auf dem Gelände neben dem Archäologischen Zentrum könnte eines Tages der Neubau für die Alten Meister entstehen – wenn der Masterplan denn so realisiert werden sollte, wie es in der umstrittenen Museumsrochade derzeit vorgesehen ist. Hinzu kommen das Zentralarchiv und die Bestände zur Archäologie aus der Kunstbibliothek. Ein Teil konnte im benachbarten Altbau unterkommen, der Rest verteilt sich auf den Neubau. Die auf der Museumsinsel freigewordenen Flächen können nun für Ausstellungen genutzt werden.

Das Zusammenrücken unter einem Dach an der Geschwister-Scholl-Straße war lange geplant. Der Masterplan von 1999 zur Restaurierung und Umstrukturierung der Museumsinsel sah vor, dass technische und administrative Bereiche ausgelagert werden und auf das Gelände der ehemaligen Friedrich-Engels-Kaserne am Kupfergraben ziehen, auf die sogenannten Museumshöfe. Noch ist es eine unscheinbare Ecke mit der Atmosphäre eines Hinterhofs, gelegen zwischen Museumsinsel, S-Bahn-Trasse und Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum der Humboldt-Universität. Zahlreiche Baucontainer sorgen dafür, dass man die Größe des Areals leicht unterschätzt. 21 000 Quadratmeter zählen die Museumshöfe, eine riesige Freifläche mitten im Zentrum Berlins. Zum Vergleich: Die Museumsinsel umfasst 60 000 Quadratmeter. Nun steht also der erste Teil der Bebauung.

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