Dat Galerie: Glaskunst von Julius Weiland : Heißer Tanz der Moleküle

Schluss mit niedlichen Rehen und springenden Fischen: Julius Weiland zeigt mit seinen fantasievollen Objekten in der Dat Galerie, wie spannend Glaskunst sein kann.

Matthias Reichelt
Julius Weiland: Cluster V.
Julius Weiland: Cluster V.Foto: promo/ Julius Weiland

Glaskunst heißt das Spielfeld, auf dem sich das Kunsthandwerk austobt, und nicht selten mündet es in niedlichen Rehen, springenden Fischen oder Kätzchen in den Regalen beleuchteter Wohnzimmerschänke. Skeptikern sei deshalb unbedingt Julius Weilands Ausstellung in der jungen Dat Galerie empfohlen. Dort zeigt Galeristin Olga Kojic neue skulpturale Werke des mehrfach international mit Preisen ausgezeichneten Künstlers. Die Galerie setzt seit anderthalb Jahren programmatisch auf die ganze Spannbreite junger zeitgenössischer Kunst, ohne sich medial zu beschränken. Jetzt also morphologisch hochinteressante Objekte aus Glas (Preise: 2000 bis 5000 Euro) mit Formen und Strukturen, die an quallen- oder korallenartige Wesen aus tiefen Meeresregionen denken lassen.

Weiland, 1971 in Lübeck geboren und in Berlin lebend, arbeitet mit Industriematerial in Gestalt gläserner Röhren und Stäbe. Beides arrangiert er zu Clustern, ähnlich dem anarchischen Durcheinander von Mikadostäben nach einem Wurf. In manchen Skulpturen wirken die Stäbe natürlich gläsern und transparent, zeigen aber wundersamerweise am Ende einen leichten Farbton, der das Ganze stark prägt. Die langjährige künstlerische Praxis hat Weiland zu einem sicheren Gespür für das projektierte Ergebnis verholfen. Ist der Brennprozess jedoch erst einmal in Gang und die Konstruktion im Ofen, bleibt vieles dem Glück oder der intuitiven Erfahrung überlassen. Korrekturen sind nicht möglich.

Weiland reizt die Belastbarkeit des Materials aus

Die Oberfläche wird in dem 700 Grad heißen Ofen weich und biegsam, während sich die Moleküle verbinden. Weiland reizt die Belastbarkeit des Materials aus und geht bis an die Grenzen der Formbarkeit. Etwas Glück oder, anders ausgedrückt: „Fingers Crossed“, die Daumen gedrückt, so der Titel der Ausstellung, gehören zum Gelingen dazu. Fragile Glasfäden winden sich wie Tentakel aus einem schier undurchschaubaren Knäuel. Nahezu uniform dagegen schmiegen sich hohle Glasröhren – auf eine Länge gestutzt und an gebündelte Makkaroni erinnernd – zu einem Feld aneinander. Faszinierend dünne Glaswände, behutsam gewellt, gehen über in einen zerknitterten Zustand, der an gebrauchte Plastikfolie erinnert.

Die Skulpturen lassen der Fantasie freien Lauf, rufen Bilder auf und animieren zu Analogien. Es liegt auf der Hand, dass Weiland auch Neonlichtobjekte produziert, daneben gibt es knallige, vollkommen intransparente Arbeiten. Das pinkfarbene Objekt „Cloud“ (5000 Euro), das als Hommage an Jean Arp durchgehen könnte, dominiert den ersten Raum. Grundlage für diese Skulptur war in vorbereitenden Skizzen der Kreis, den Weiland perspektivisch drehte und ins Dreidimensionale erweiterte, dehnte und schließlich in Acrylharz gießen und lackieren ließ.
Dat Galerie, Pestalozzistr. 105; 6.-10.1., Di-Fr 14-18 Uhr, Sa 11-14 Uhr

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