Kultur : DDR-Dramatiker Helmut Baierl gestorben

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Er hatte die „Mutter Courage“ der DDR geschrieben. Hermann Baierl, der in Böhmen geborene langjährige Dramaturg am Berliner Ensemble (BE), wurde im Jahr 1961 mit seiner dialektischen Komödie „Frau Flinz“ bekannt. Die Flinz besaß die Courage, ihre Kinder mit List und Anpassung erst durch Krieg und Nazizeit zu bringen und auch den Aufbau des ostdeutschen Sozialismus erst mal zum Ausbau des privaten Familienglücks zu nützen. Doch am Ende wurde auch die widerspenstige Flinzin von der Partei gezähmt und zur bauernschlauen Vorsitzenden einer LPG gemacht. Die Uraufführung des DDRErfolgsstücks inszenierten Peter Palitzsch und Manfred Wekwerth drei Monate vor dem Mauerbau am BE: mit Helene Weigel in der Titelrolle. Und die Weigel begriff die Flinz sofort als moderne Nachfolgerin ihrer dort gleichfalls triumphierenden „Courage“.

Helmut Baierl ist mit seinen kritisch-affirmativen DDR-Dramen gelegentlich ein wenig angeeckt. Doch war der Nationalpreisträger, anders als seine Kollegen Heiner Müller oder Volker Braun, kulturpolitisch nie wirklich umstritten. Er verfasste gut ein Dutzend Stücke, darunter auch ein Puppenspiel nach Goethes „Faust“ und eine Karl-May-Dramatisierung („Ihr seid ein Greenhorn, Sir!“); er übersetzte Ostrowski und O’Casey und schrieb für die DEFA mehrere Filmdrehbücher („Der lange Weg zu Lenin“). Im Theater nach der Wende spielte Helmut Baierl dann keine Rolle mehr. Jetzt ist er mit 78 Jahren in Berlin gestorben. P.v.B.

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