DDR-Opernstar Reiner Süß ist tot : Da lag Musike drin

Als Moderator der Fernsehsendung "Da liegt Musike drin" wurde der Bassist Reiner Süß ein Star in der DDR. Gleichzeitig gehörte er zum Solistenensemble der Berliner Staatsoper. Jetzt ist er kurz vor seinem 85. Geburtstag gestorben

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Reiner Süß im Jahr 2005.
Reiner Süß im Jahr 2005.Foto: Soeren Stache/dpa

Von der Bühne mochte er nicht lassen, auch im hohen Seniorenalter nicht. Noch im März 2012 trat Reiner Süß im Landestheater Neustrelitz auf - mit 82 Jahren verstärkte der berühmte Bassist eine Seniorenband beim örtlichen Frühlingsball.

Zu einem Star des DDR-Fernsehens war der 1930 geborene Chemnitzer in den siebziger Jahren geworden, als Moderator der Sendung „Da liegt Musike drin“. In 100 Folgen präsentierte er von 1968 bis 1985 einen bunten Stilmix, bei dem Oper und Operette gleichberechtigt neben Musical, Volkslied und Schlager standen.

Dass er mal zum Vermittler zwischen E und U werden würde, zwischen leichter Muse und ernster Hochkultur, hätte er sich in jungen Jahren wohl kaum träumen lassen. Beim altehrwürdigen Leipziger Thomanerchor verbrachte er ab 1939 seine Kinder- und Jugendjahre, wuchs mit Johann Sebastian Bachs Vokalmusik und der mitteldeutschen Barocktradition auf. Nach dem Gesangsstudium, das sich in Leipzig anschloss, bekam Reiner Süß sein erstes Engagement in Bernburg an der Saale. Nach einer Station am Theater Halle wurde er 1959 dann Ensemblemitglied der Berliner Staatsoper.

Hier war vor allem das schauspielerisches Talent des Bassisten gefragt: Als Buffo und Charakterdarsteller begeisterte er in so wichtigen Rollen wie dem Ochs auf Lerchenau (im „Rosenkavalier“ von Richard Strauss), dem Beckmesser (in Wagners „Meistersingern von Nürnberg“), dem Bartolo (im „Barbier von Sevilla“ von Rossini) oder auch als Verdis „Falstaff“. Zudem war er in wichtigen Inszenierungen zeitgenössischer Opern dabei, als Puntila in der Brecht-Vertonung von Paul Dessau oder als Kowaljow in „Die Nase“ von Schostakowitsch. 1998 nahm Reiner Süß Abschied von der Opernbühne, trat aber weiterhin bei Konzerten auf kleinen Bühnen auf, vor allem in Ostdeutschland.

Nach der Wende begann Süß parallel zu seinen musikalischen Aktivitäten noch eine späte politische Karriere. Weil ihn Willy Brandt immer beeindruckt hatte, trat er Ende 1989 der SPD bei, wurde im Mai 1990 Mitglied der Ost-Berliner Stadtverordnetenversammlung und zog 1991 für Hellersdorf ins Abgeordnetenhaus ein. In seinen vier Jahren als Parlamentarier trat er unter anderem gegen einer Annäherung der SPD an die PDS ein.

Wie erst jetzt bekannt wurde, ist Reiner Süß bereits am 29. Januar, wenige Tage vor seinem 85. Geburtstag, nach langer Krankheit in einem Pflegeheim in Friedland / Mecklenburg gestorben.

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