Debatte um den Wiederaufbau der Bauakademie : Schatzhaus oder Denkfabrik

Hermann Parzinger plädiert dafür, die rekonstruierte Bauakademie zum Architekturmuseum zu machen. Die Idee findet namhafte Unterstützer.

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Ein Modell von Otto Bartnings nie realisierter expressionistischr Sternkirche in der Berlinischen Galerie.
Ein Modell von Otto Bartnings nie realisierter expressionistischr Sternkirche in der Berlinischen Galerie.Foto: Berlinische Galerie/I. Ripke

Schinkels Bauakademie wiedererrichten und zum Berliner Architekturmuseum erklären? Klingt nach einer guten Idee. Wobei aber der am Dienstag im Tagesspiegel von Hermann Parzinger, dem Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, formulierte Vorschlag gleich die Frage aufwirft, wer das bitte bezahlen soll. Eine Bund-Berlin-Partnerschaft bietet sich an, wie bei so vielen Kulturprojekten, deren Ausstrahlung über die Grenzen der Hauptstadt hinausreicht. Zwar gibt es das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt als bislang wichtigstes Haus dieser Art in der Bundesrepublik. Aber was ist mit all den Architekturschätzen in Berliner Archiven?

Der Bund, ohne den es wie bei den Staatlichen Museen nicht geht, ist nicht abgeneigt, Finanzierung und Verantwortung zur Hälfte n zu übernehmen. Kulturstaatsministerin Monika Grütters verweist darauf, dass die Schinkelsche Bauakademie richtungsweisend für die architektonische Moderne des 19. Jahrhunderts war. Ihre Rekonstruktion hält sie für „wünschenswert und notwendig“, aus städtebaulichen Gründen ebenso wie inhaltlich, „als Ort für das Nachdenken über die Baukultur als die öffentlichste aller Künste“, sagte Grütters dem Tagesspiegel.

Erich Mendelssohns Entwurf zur Textilfabrik "Rote Fahne" in Leningrad, 1925.
Erich Mendelssohns Entwurf zur Textilfabrik "Rote Fahne" in Leningrad, 1925.Foto: SMB/Kunstbibliothek

„Erstaunlicherweise“, so die Kulturstaatsministerin, „scheint dieses Thema für das zuständige Land Berlin keine Priorität zu haben.“ Das sei bedauerlich für eine Stadt mit dieser Architektur- und Baugeschichte. „In direkter Nachbarschaft zum Schloss und dem Humboldt Forum wäre die Bauakademie eine noble Ergänzung – nicht nur topographisch, sondern auch im Sinne des Weltbürgertums, das hier in Berlins Mitte am Beginn des 21. Jahrhunderts neu Gestalt annimmt.“ Dem Vernehmen nach ist Berlins noch Regierender Kultursenator Michael Müller aber kein Gegner der Bauakademie-Idee. Bei den am gestrigen Dienstag gestarteten internen Vorgesprächen zu den Koalitionsverhandlungen in Sachen Kultur dürfte sie mit auf der Agenda stehen.

"Visionäre Architekten im ganzen Land aufwerten"

Der kulturengagierte CDU-Bundestagsabgeordnete und Haushälter Rüdiger Kruse, der 2014 mit seinem SPD-Kollegen Johannes Kahrs das Museum der Moderne auf den Weg brachte, ist zuversichtlich: „Der Bundestag wird für dieses Projekt zu gewinnen sein, wenn es nationale Bedeutung bekommt.“ Die Bauakademie sollte „nicht nur auf die spannende Architekturgeschichte der Hauptstadt verweisen, sondern auch das Schaffen visionärer Architekten im ganzen Land aufwerten“. Als Beispiele für die Innovationskraft der deutschen Architektur nennt er „Balthasar Neumann in Würzburg, Martin Gropius in Dessau, Fritz Schumacher in Hamburg.“ Keine neue „wissenschaftliche Bibliothek in Berlin für Berlin“ soll es werden, sondern ein „ambitioniertes Projekt, das den künftigen Architektengenerationen eine Plattform bietet und Beiträge leistet, die die Gegenwartsarchitektur aus der Beliebigkeit erhebt“. Auch Johannes Kahrs spricht von einem guten Projekt: „Ich unterstütze das Vorhaben sehr und würde mich freuen, bei der Einweihung dabei zu sein.“

Womit könnte so ein Museum bestückt werden? 50 000 Architekturzeichnungen beherbergt allein die Kunstbibliothek am Kulturforum, darunter Blätter von Stüler, Schinkel, Persius, Piranesi und Francesco Borromini sowie Nachlässe aus dem 20. Jahrhundert wie die von Erich Mendelsohn oder Heinrich Tessenow. Parzinger formuliert seinen Vorstoß jedoch nicht nur mit Blick auf die Kunst- und die Staatsbibliothek, die in seiner Verantwortung als Stiftungspräsident liegen. Er nennt auch die Sammlungen der Berlinischen Galerie, der Akademie der Künste und der Technischen Universität. Deren Leiter reagieren unterschiedlich auf die Idee.

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