• Der amerikanische Journalist und Fischer unterfüttert die Legende vom Kabeljau mit Fakten, Zahlen und Anekdoten.

Kultur : Der amerikanische Journalist und Fischer unterfüttert die Legende vom Kabeljau mit Fakten, Zahlen und Anekdoten.

Mark Kurlansky: Kabeljau - Der Fisch[der die Welt]

Mark Kurlansky: Kabeljau - Der Fisch, der die Welt veränderte. Claassen Verlag, 1999, 34 Mark.

Spanien oder Schweden, Mauretanien oder Haiti, Bergen, Lissabon oder Lübeck - wohin man auch reist: Er war schon da. Er hat Armeen ernährt und Sklavenheere am Leben erhalten, hat Kriege provoziert und Städte erblühen und wieder veröden lassen: "Gadus morhua", der Kabeljau, hat Weltgeschichte geschrieben. Und endlich hat sich, was längst überfällig war, jemand gefunden, der seine ganz eigene Geschichte aufgezeichnet hat. Der amerikanische Journalist und Fischer Mark Kurlansky hat in Häfen und Bibliotheken der ganzen Welt recherchiert und unterfüttert die Legende vom Kabeljau mit Fakten, Zahlen und Anekdoten.

Die Ausbreitung des Katholizismus bildete die Grundlage für den Siegeszug des Kabeljau. Fisch als Fastenspeise: "Jeden Freitag wurden die Basken reicher." Denn in deren Hand lag der Handel bis etwa 1500. Sie wußten, wie man ihn mittels Salz haltbar macht. Und sie verfügten über eine geheimnisvolle Quelle: niemand erfuhr, wo sie ihren Kabeljau fischten. Bis im Jahre 1497 John Cabot Neufundland entdeckte. Und bald darauf die Armada baskischer Fischer: Das Geheimnis war keines mehr.

Anschaulich und detailliert erzählt Kurlansky von den Kriegen, die immer wieder um die besten Fanggründe entbrannten, von der Entwicklung technischer Neuerungen wie Setzleinen, Schleppnetze, Fabrikschiffe, die immer auch eine jeweils effektivere Art der Ausplünderung der Meere bedeuteten, vom harten Kampf der Fischer draußen auf den Grand Banks, wo sie sich in Nebel, Eis und Sturm die Finger abfroren - was durchaus wörtlich zu nehmen ist. Immer wieder auch ist die Geschichte des Kabeljau mit der einzelner Persönlichkeiten verbunden: der des Pelzjägers Clarence Birdseye etwa, der in den Wintern von Labrador das Prinzip des Tiefgefrierens erfand, oder der des britischen Wissenschaftsphilosophen Thomas Henry Huxley, der im 19. Jahrhundert nicht müde wurde, die Selbstheilungskräfte der Natur zu preisen: So etwas wie Überfischung werde es nie geben! Nun ja: Die Norweger zogen 1989 gerade noch rechtzeitig die Notbremse und schränkten ihre Fänge so drastisch ein, daß die Bestände sich erholten. Neufundland dagegen mußte 1992 ein Fangverbot verhängen, das bis heute gilt.

Es hat den Anschein, nichts fehlt in diesem Buch: Die Biologie des Kabeljau wird ebenso behandelt, wie die Herkunft seiner unterschiedlichen Namen, die Legitimität der zunehmenden Ausdehnung der Hoheitsgewässer nach dem zweiten Weltkrieg ebenso diskutiert wie die Gefahren und Chancen des Aquafarming.

Schließlich, es handelt sich ja um ein Nahrungsmittel, hat Kurlansky Dutzende internationaler Kochrezepte gesammelt: Kreationen Pariser Küchenchefs ebenso wie Erfindungen, die aus der Not geboren wurden: Wer weiß schon, wie man "Kabeljaukutteln", "Gesalzene Kabeljauschwimmblasen" oder "Bacalao a la Comunista" zubereitet? Kurlansky weiß es. Er weiß alles über das "Weiße Gold", das "Brot der Armen", das "schwimmende Geld". Was für ein interessantes, wichtiges Buch! F.L.

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