Kultur : Der Himmel über Bayreuth Wim Wenders soll 2013 den „Ring“ inszenieren

Die verschiedensten Gerüchte kursierten schon länger, und die Zeit drängte. Jetzt ist bei den Bayreuther Festspielen für den „Ring“ im Wagner-Jubiläumsjahr 2013 offenbar eine Lösung gefunden worden: Wie aus gut unterrichteten Kreisen verlautet, soll der Filmregisseur und Mythenerzähler Wim Wenders („Der Himmel über Berlin“, „Buena Vista Social Club“, „The Million Dollar Hotel“, „Palermo Shooting“), Jahrgang 1945, die Tetralogie inszenieren. Zusammen mit dem jungen russischen Dirigenten Kirill Petrenko (der schon seit zwei Jahren feststeht) und einzelnen ebenfalls bereits fixierten Sängerbesetzungen ist das neue „Ring“-Team damit nahezu perfekt.

Die Festspielleitung dürfte sich zunächst einmal die Schweißperlen von der Stirn wischen. Wenders Wahl nimmt das Damoklesschwert einer peinlichen, weil unprofessionellen Entscheidung in letzter Sekunde vom Grünen Hügel. Wer war nicht alles gefragt worden! Tom Tykwer, Hans Neuenfels, lieber vier Film- oder zwei Opernregisseure oder doch am liebsten ein Altmeister? Kaum ein Modell schien nicht in Frage zu kommen.

Der Musiktheaterneuling und Quereinsteiger Wenders aber, als Wagnerianer bislang kaum bekannt, tritt in große, durchaus riskante Fußstapfen. Auch Patrice Chéreau hatte vor seinem Bayreuther Jahrhundert-„Ring“ 1976 noch keine Oper inszeniert, auch Heiner Müller debütierte ausgerechnet in Bayreuth, ausgerechnet mit dem „Tristan“, und auch Wenders Kollege Lars von Trier wäre für den „Ring“ 2006 mit Spannung erwartet worden. Statt seiner säumte mit dem Dramatiker Tankred Dorst ein weiterer Laie die lange Reihe der nicht nur in Bayreuth verzweifelt gesuchten Wagner-Regisseure der Gegenwart. Der Dorst-„Ring“ floppte. Mit Wenders könnte sich das Blatt wieder wenden. Tsp

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