Kultur : Der Maschinist

Eine kristalline Installation von Ralf Baecker.

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Die Objekte mögen irrational sein – unmöglich scheinen sie nicht. Was der Künstler Ralf Baecker im Berliner Ausstellungsraum der Schering Stiftung platziert hat, sieht ungeheuer erhaben aus. Wie ein teurer High-End-Verstärker mit passendem Plattenspieler zum Beispiel. Das leise Brummen im dunklen Raum tut sein Übriges. Man glaubt, ein Ensemble abstrakter Maschinen vor sich zu haben, die ihre Arbeit tun. Was immer diese auch sein mag.

Dabei verweist Baeckers Installation „Irrational Computing“ bloß auf sich selbst. Es geht um sonst im Verborgenen wirksame Halbleiterkristalle wie Quarz oder Silizium, die der Künstler in maximaler Größe sichtbar macht. Um Substanzen, die der Natur entstammen und die als elementare Botenstoffe in komplexen technischen Prozessen benötigt werden. Was sich in modernen Mikroprozessoren fern jeder Anschaulichkeit vollzieht, dreht der 1977 geborene Wahlberliner, der Medienkunst und Informatik studiert hat, in seiner Arbeit um.

Aus den von Baecker kreierten Objekten wachsen große Kristalle, die man nicht übersehen kann. Elektroden lassen die Gebilde punktuell leuchten und senden gleichzeitig elektrische Impulse aus. Andere Kristalle werden mithilfe von Oszillatoren zum Schwingen gebracht oder sie dienen als Rauschquellen. So entsteht eine latente Geräuschkulisse, die am menschlichen Ohr allerdings glatt vorbeiginge – wenn nicht ein unsichtbares System aus Kabeln für ihren Transport und eine fortwährende Verstärkung sorgte. In der (noch immer sehr zurückhaltenden) Übertreibung von „Irrational Computing“ vollzieht sich ein Paradox, der logische Versuchsaufbau führt in eine absurde Situation. Man fühlt sich wie ein Däumling, der in das Innere eines Schaltkreises gekrochen ist, um eine Ahnung von der Schönheit abstrakter Technologie zu bekommen. Christiane Meixner

Schering Stiftung, Unter den Linden 32–34, bis 17. 12., Mo–Sa 11–18 Uhr.

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