Kultur : Der starke Held

Zum Tod des Schauspielers Hans-Peter Reinecke

Christoph Funke

Die kräftigen Kerle hat Hans-Peter Reinecke gemocht und oft auf der Bühne und im Film gespielt. Leute, die sich durchsetzen mussten und dazu geistige Agilität wie Muskeln brauchten. Helden und Revolutionäre waren bei ihm gut aufgehoben; sie erstarrten nicht zum Klischee. Es waren immer blutvolle Menschen; Reinecke erfasste sie in ihren Leidenschaften und Schwächen. Was der Darsteller auch spielte, es war von Festigkeit geprägt. Er gab seinen Bühnenfiguren etwas Zupackendes, spielte die Kämpfer wie man sie gern zum Freund gehabt hätte. Und dennoch gab er sich nicht mit Biederkeit zufrieden. Er entdeckte die List, die Heiterkeit der einfachen Leute, machte deutlich, dass in den großen Auseinandersetzungen grimmiger Trotz vonnöten ist – und die Gefahr des Scheiterns immer droht. Naivität und Ehrlichkeit, etwa bei seinem unvergessenen Matti in der Inszenierung des Volksstücks „Herr Puntila und sein Knecht Matti“ von 1975, wusste er mit einem verschmitzten Widerstand gegen die „Oberen“ zu verbinden.

Hans-Peter Reinecke, 1941 geboren, stammt aus einer Theaterfamilie, begann hinter den Kulissen am Theater in Schwerin, studierte an der Schauspielschule Berlin-Schöneweide und kam über Senftenberg 1968 ans Berliner Ensemble. Hier hat er, oft in enger Partnerschaft mit Ekkehard Schall, in 59 Produktionen eine Fülle großer Rollen gespielt: Pawel in „Die Mutter“, Jean Cabet in „Die Tage der Commune“, Aufidius in „Coriolan“, Badjin in „Zement“, Wilhelm Voigt in „Der Hauptmann von Köpenick“.

Bei der DEFA spielte er neben Manfred Krug im legendären Film „Spur der Steine“. Das Fernsehen nutzte seine männliche Ausstrahlungskraft in vielen Serien, von „Polizeiruf 110“ bis zu „Unser Lehrer Dr. Specht“. Bis zuletzt war Reinecke Ensemble-Mitglied des Brecht-Theaters. Seine letzte Rolle hatte er dort in Peter Zadeks Inszenierung von Ibsens „Peer Gynt“. Nach längerer Krankheit ist er am 20. November in Berlin gestorben.

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