Kultur : Der zweite Palast von Troja Schliemanns Wohnhaus in Athen als Numismatisches Museum

DIMITRIS DAMASKOS

Als Heinrich Schliemann (1822-1890) - der deutsche Ausgräber von Mykene und Troja - 1869 die Griechin Sophia Egastromenou heiratete, beschloß er, sich für immer in Athen niederzulasen und begann gleichzeitig, ein repräsentatives Wohnhaus im Zentrum der griechischen Hauptstadt, in der Universitätsstraße 12, zu errichten.Fast 120 Jahre nach dem Bau des Gebäudes beherbergt es nun das Numismatische Museum Griechenlands, eines der weltweit wichtigsten Museen seiner Art.Beides, die Geschichte des Gebäudes und der Umzug des Numismatischen Museums, das bis vor wenigen Monaten in einem Seitenflügel des Archäologichen Nationalmuseums untergebracht war, verdienen Aufmerksamkeit.

Die Errichtung des Gebäudes übernahm der aus Dresden stammende Architekt Ernst Ziller (1837-1923), der in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts mit seinen klassizistischen privaten und öffentlichen Bauten das Bild Athens prägte.Das zweigeschossige Wohnhaus Schliemanns besitzt neben klassizistischen Elementen auch deutliche Einflüsse aus der italienischen Renaissance.Ein Garten umgibt das Haus an drei Seiten, während die zur Straße gewandte Front von Loggien in den beiden Obergeschoßen gegliedert ist.Schliemann kümmerte sich besonders um die Ausstattung des Gebäudes und seiner Räume.Er reiste sogar nach Wien und London, um tönerne Statuen für die Dachterrasse und den Garten sowie Möbel für die Empfangsräume zu erwerben.Die Statuen sind ausnahmslos Kopien von Werken der griechischen Klassik des 5.und 4.Jhs.v.Chr.Einige von ihnen schmücken heute den Hof des Archäologischen Nationalmuseums in Athen, die übrigen sollen restauriert und im neueröffneten Museum ausgestellt werden.Wichtiger Bestandteil der Inneneinrichtung sind die Mosaiken und die Wand- und Deckenmalereien.Die Malereien stellen genaue Kopien pompejanischer Wanddekors dar oder zeigen Funde aus den Ausgrabungen Schliemanns.

Die Einweihung des Wohnhauses, dessen Errichtung Unsummen verschlang, fand am 30.Januar 1881 statt.Schliemann nannte es "Iliou Marathon" - "Palast von Troja" -, ein Name, der sich bis heute im Sprachgebrauch erhalten hat.1927 wurde das Gebäude vom griechischen Staat erworben und beherbergte ab 1934 den Areiopag, das höchste Gericht des Landes.1981 zog der Gerichtshof aus, drei Jahre später begannen die Restaurierungsarbeiten, und im Dezember 1998 konnte das Gebäude erneut eingeweiht werden - diesmal als Numismatisches Museum.Hier soll eines der wichtigsten numismatischen Forschungszentren entstehen.

Heinrich Schliemann besaß immer eine enge Beziehung zu antiken Münzen.Er sammelte Münzen aus Troas und anderen Gegenden des antiken Griechenland.Seine Kollektion deckte die gesamte griechische Münzgeschichte ab.Während alle andere Stücke seiner Sammlung im Erdgeschoß des Wohnhauses ausgestellt waren, befanden sich die Münzen immer in seinem privaten Büro im zweiten Geschoß des Hauses.Eine freundschaftliche Beziehung verband ihn mit dem großen griechischen Numismatiker Achilleas Postolakas.Dieser hatte das Kapitel über die Münzen in Schliemanns klassischem Werk "Ilion" über Stadt und Land der Trojaner geschrieben.Der enge Bezug Schliemanns zu den Münzen wird dem Besucher des Museums sofort deutlich, wenn er den ersten Ausstellungsraum betritt, der der Münzsammlung Schliemanns und dem Leben ihres Besitzers gewidmet ist.Die mit der Vita Heinrich Schliemanns verbundenen historischen Gründe stellen somit neben dem Wunsch griechischer Numismatiker, die Münzsammlung in einem ihrer Bedeutung entsprechenden Gebäude unterzubringen, die Grundlage für die Entscheidung dar, das Gebäude im Zentrum Athens zum Numismatischen Museum zu machen.Der griechische Staat beabsichtigt auf diese Weise, die Erinnerung an die Geschichte des Hauses für die Zukunft zu bewahren.

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