Die Bude ist der Hammer : Survival-Guide für Wohnungssuchende in Berlin

Jeden Tag sind Menschen in Berlin auf der Suche nach Wohnraum. Und es werden immer mehr. Dem alltagstheatralen Ausnahmeszenario „Wohnungsbesichtigung“ kommt in solchen Zeiten große Bedeutung zu. Eine kleine Typologie des Schreckens – und Überlebenstipps.

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Heimsuchung. Aktivisten der „Hedonistischen Internationale“ bei einer Protestaktion gegen zu hohe Mieten während einer Wohnungsbesichtigung in Friedrichshain. dapd
Heimsuchung. Aktivisten der „Hedonistischen Internationale“ bei einer Protestaktion gegen zu hohe Mieten während einer...dapd

1. Die klassische Massenbesichtigung

Wir hatten schon viel erlebt, als wir an diesem Frühsommertag in die Nostitzstraße in Kreuzberg einbogen: Makler und Verwalter, die nur stumm Bewerbungsmappen mit Schufa-Auskünften, Personalausweiskopien, Bürgschaften, Geburtsurkunden, Arbeitszeugnissen, Babyfotos, Bettelbriefen und Bestechungssummen einsammelten. Wir hatten Wohnungen gesehen, die – frisch entkernt – im Rohbauzustand angeboten wurden und trotzdem Heerscharen lockten. Und doch konnten wir uns nicht vorstellen, was passieren kann, wenn eine städtische Wohnungsbaugesellschaft zum fairen Preis eine Wohnung im Szenekiez anbietet. Unsere Reise endete drei Treppen vor der Wohnungstür, am hinteren Ende eines Pulks, der sich – unendlich langsam in der Vorwärtsbewegung, aber nach allen Seiten auskeilend, dazu pöbelnd – die Treppe hochschob. Genauer gesagt endete die Reise, als vor uns eine elegant aussehende Frau mit Seidenschal hörbar zu ihrer Tochter – jedes Wort betonend – sagte: „Guck sie dir an, die armen Säue: Alle keine Chance!“ Wir kehrten um. „Wegen der Selbstachtung“, sagtest du, als wir ins Sonnenlicht traten. „Um die Menschen weiter mögen zu können“, sagte ich und kaufte uns ein Eis.

Strategie: dickes Fell anziehen.

Auf keinen Fall: in Gesichter blicken.

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