Die Doku "Krieg und Spiele" : Zu Risiken und Nebenwirkungen der Drohne

Maschinen und Moral, "Krieg und Spiele": Karin Jurschicks Dokumentaressay über Drohnen kommt jetzt ins Kino

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Hummelflug mit Kamera: Eine Aufklärungs-Drohne bei der Arbeit.
Hummelflug mit Kamera: Eine Aufklärungs-Drohne bei der Arbeit.Foto: Bildersturm Film

Kann man Moral programmieren und in Maschinen implantieren? Kann zum Beispiel eine Drohne lernen, zwischen einem Soldaten und einem Kind zu unterscheiden und dann zu töten oder eben nicht? Von den unbemannten Flugobjekten, die im Krieg, aber auch für Paketlieferungen oder zur Überwachung von Grenzen und Firmengelände eingesetzt werden, ist neuerdings wieder viel die Rede. Weil letzte Woche in München eines dieser ferngesteuerten Metallinsekten beinahe mit einem Airbus kollidierte, wird an den Gesetzgeber appelliert, strengere Regeln und eine Kennungspflicht einzuführen.

Da kommt Karin Jurschicks „Krieg und Spiele“ gerade recht, ein Essayfilm, der praktische, politische, philosophische Fragen berührt. Die Drohne, sagt der Politikwissenschaftler Herfried Münkler, ist die postheroische Waffe der postheroischen Gesellschaft. Drei israelische Drohnen-Pioniere erklären voll Stolz, dass sie viele Menschenleben auf beiden Seiten gerettet haben. Die Ingenieure von General Atomics taufen ihr „Guardian Angel“-Modell aber doch lieber in „Guardian Eagle“-Modell um, Adler verkaufen sich besser als Engel, überhaupt sind Tiere als Namen beliebt. Und der ehemalige Stabschef von Colin Powell macht sich schreckliche Sorgen, weil den fernsteuernden Piloten der ethische Kompass fehle. Früher, sagt er, setzten die Soldaten für die Nation ihr Leben aufs Spiel, heute morden sie in deren Namen.

Lauter bedenkenswerte Aspekte. Leider belässt es Jurschicks Dokumentation bei der Dramaturgie des Zettelkastens. Den Widerspruch zwischen Faszination und Schrecken der kamerabewehrten Ufos fasst „Krieg und Spiele“ ebenso wenig in Bilder wie deren moralische Ambivalenz. Eigentlich richtet die Filmemacherin ihren Fokus auf die Nähe von Games- und Waffenindustrie: Der Modellflugchampion der DDR, der Offizier am Joystick, der Kriegsspiele-Entwickler, für dessen Ideen das Pentagon sich interessiert, sie alle tun dasselbe. Aber der Argumentationsfaden bleibt lose. Der Höhepunkt des Films: Wenn der amerikanische Robotiker Ronald Arkin seine Metallmenschen mit „ethischen Adaptern“ und Schuldparametern ausstattet. Wer zu viel Mist baut, dessen Tötungsmechanismus wird deaktiviert. Kann man auch Menschen so programmieren?

Babylon Mitte, Brotfabrik, fsk am Oranienplatz, Filmkunst 66 und Tilsiter-Lichtspiele. Am Freitag, den 19. August, lädt das fsk am Oranienplatz zum Filmgespräch mit Regisseurin Karin Jurischick, nach der Vorstellung um 18 Uhr.


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