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Die Regisseure von „Cloud Atlas“ : „Wir kannten uns schon von der Astralebene“

10.11.2012 00:00 Uhrvon
Vier Jahre arbeiteten Tykwer (l.) und die "Matrix"-Regisseure Lana und Andy Wachowski an der Verfilmung von "Cloud Atlas".Bild vergrößern
Vier Jahre arbeiteten Tykwer (l.) und die "Matrix"-Regisseure Lana und Andy Wachowski an der Verfilmung von "Cloud Atlas". - Foto: X-Filme

Bisher hat Tom Tykwer allein Regie geführt, „Cloud Atlas“ entstand zusammen mit den Wachowski-Geschwistern. Ein Gespräch.

Im Berliner Hotel Concorde herrscht geschäftiges Treiben. Deutsche und amerikanische Agenten regeln den Interviewverkehr zu „Cloud Atlas“. Fotografen, nationale und internationale Presse warten auf ihren Termin. Ein Hotelangestellter rollt frische Sandwiches heran, gedämpfte Stimmung wie im Sanatorium. In der Suite „Sorbonne“ geben die Regisseure Interviews, zwei Meter daneben, in der Suite „Raspail“, geben gerade die Schauspieler Ben Wishaw und James d’Arcy einer Runde von Boulevardjournalisten Auskunft. Vor der Tür warten geduldig die nächsten Gesprächspartner: Tom Hanks und Halle Berry. Kaum dass sie im Raum verschwunden sind, ertönt riesiges Gelächter – es ist der Tag nach „Wetten, dass.

.?“. Dann gibt es auch in der Suite „Sorbonne“ einen fliegenden Wechsel.

TOM TYKWER: Sorry, es hat ein bisschen gedauert. Wir sprengen auch bei Interviews ganz gern den Rahmen, weil wir versuchen, laufend neue Gedanken zu entwickeln. Lana hatte gerade einen Superlauf, und wir haben sie angefeuert.

LANA WACHOWSKI: Es ist schon ein Wunder, dass unser Drehbuch je fertig wurde, so viel wie wir geredet haben.

Film ist Zusammenarbeit, sagen Sie und wehren sich gegen das Bild vom einsamen Künstlergenie. Bei „Das Parfum“ haben Sie, Tom Tykwer, erzählt, dass Andrew Birkin bei der Arbeit am Skript mit dem Laptop in der Mitte saß, während Sie und Bernd Eichinger ihn von beiden Seiten zutexteten. Wie war das bei Ihnen drei?

TYKWER: Auf die Dreierkombination scheine ich abonniert zu sein…

… Ihr letzter Film hieß „Drei“.

TYKWER: Als Filmemacher musst du alles alleine entscheiden und führst im Grunde Dauermonologe. Das entspricht nicht meinem Naturell. Die Überwindung der Einsamkeit ist ein Motor all meiner künstlerischen Aktivitäten, deshalb arbeite ich gern mit den gleichen Leuten zusammen. Mit dem Kameramann Frank Griebe oder dem Ausstatter Uli Hanisch verbinden mich langjährige Freundschaften. Nun fand ich es spannend, mich in dieses dialoggetriebene kreative System der Wachowskis einzuklinken.

LANA W.: Zu dritt Regieführen ist nicht kompliziert, es ist ohnehin eine hochgradig soziale Angelegenheit. Aber das Schreiben zu dritt war eine Herausforderung, denn Andy und ich spielen seit unserer Kindheit zusammen und haben uns das Spielerische beim Schreiben bewahrt.

Wie sah er denn konkret aus, der Trialog beim Drehbuchschreiben?

LANA W.: Zuerst waren wir in Costa Rica und versuchten herauszufinden, ob man David Mitchells Romanpalindrom mit sechs ineinandergeschobenen Geschichten in eine filmische Struktur übersetzen kann. Wir kauften alle Karteikarten von Costa Rica auf, 400 bis 500 Stück. Es waren sechs verschiedene Sorten, toll, das war kein Zufall! Dann schrieb jeder seine Lieblingsszene auf, weil wir herausfinden wollten, ob wir dasselbe im Roman mögen. In der nächsten Phase mussten wir kürzen, einen Erzählfluss kreieren. Ich führte das Ergebnis auf, wie ein Hörspiel, am Anfang war es schrecklich holprig.

ANDY WACHOWSKI: Aber es gab schon diese Momente voller Energie…

TYKWER: … und einige Übergänge, die fast magisch waren. So wollten wir es überall hinbekommen, dieses Driften zwischen den Genres und Jahrhunderten.

LANA W.: Aufregend war, dass unser Spiel mit den Karteikarten genau dem entsprach, worin schon Sergej Eisenstein das Wesen des Kinos ausmachte: im bewussten Gegenüberstellen von Szenen. Zwischen sechs Geschichten hin- und herzuspringen, das bedeutet, die Montage noch einmal neu zu erfinden. Wir merkten, dass es möglich ist, über das klassische Geschichtenerzählen hinauszukommen.

TYKWER: Wir konnten eine Geschichte in der Zukunft beginnen und mit einer anderen Figur in der Vergangenheit beenden. Es ist faszinierend, die Fesseln des linearen Erzählens abzustreifen.

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