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Drummerlegende von Hüsker Dü : Grant Hart ist tot

Er schrieb in den achtziger Jahren Rockgeschichte - und auch später tolle Songs: Zum Tod des amerikanischen Musikers und Hüsker-Dü-Drummers Grant Hart.

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Grant Hart, geboren 1961 in Minnesota, blieb bis zuletzt als Musiker aktiv.
Grant Hart, geboren 1961 in Minnesota, blieb bis zuletzt als Musiker aktiv.Foto: Shawn Brackbill

Die Geschichte kennt keine Gerechtigkeit, erst recht nicht die Geschichte des Pop. Als sich die inzwischen legendäre amerikanische Hardcore- und Punkrockband Hüsker Dü Ende der achtziger Jahre trennte, verfolgten die beiden prägenden Songwriter der Band, Gitarrist Bob Mould und Schlagzeuger Grant Hart, Solokarrieren oder gründeten irgendwann neue Bands. Während Moulds erstes Soloalbum „Workbook“ viel Anerkennung fand – auch weil der Hüsker-Dü-Frontmann plötzlich bevorzugt akustische Gitarre und Cello spielte – und Mould später mit seiner Band Sugar sogar einen gewissen kommerziellen Erfolg hatte, sich also gewissermaßen vom Ruhm der frühen Tage emanzipieren konnte, blieb Grant Hart immer „der Typ von Hüsker Dü“. Weder seine Soloalben noch die seiner Band Nova Mob fanden Anklang bei einem größeren Publikum.

Hart sorgte bei Hüsker Dü für den Popschmelz

Das ist insofern im höchsten Maß ungerecht, weil Grant Hart derjenige war, der bei Hüsker Dü für die Popmomente sorgte, der für die gefühligen Anteile zuständig war. Mould dagegen repräsentierte das Böse, das Raubeinige, den Hardcore, immer nach vorn. Man höre nur den einzigen Midtempo-Song auf dem Hüsker-Dü-Doppelalbum "Zen Arcade", eines der frühen Großwerke der Band. Das ist fast eine Ballade, „Never Talking To You Again“, und natürlich stammt der von Hart. Und man höre nachfolgende Alben der Band aus Minneapolis, Alben wie „Flip Your Wig“ oder „Candy Apple Grey“. Auf denen ist sofort zu hören, welche Songs aus der Feder von Mould und welche aus der Hart sind. Allein der verzehrende Gesangsschmelz von „Don’ t Want To Know If You Are Lonley“ (gerade im Gegensatz zu dem röhrenden Geboller von Mould!). Es war dieser Gegensatz zwischen den beiden Songwritern, in der ewigen Spur von Lennon/McCartney!, der die Größe Hüsker Düs ausmachte, der sie vom Underground zu einem Majorlabel katapultierte (in der Prä-Grunge-Zeit, wohlgemerkt!) und sie zu Vorbildern einer Generation von nachfolgenden Bands wie den Pixies, Nirvana und den Foo Fighters werden ließ.

Es fehlte nach dem Split die Reibung

Nachdem sich Hart und Mould nicht zuletzt wegen ihres exzessiven Drogenabusus auseinandergelebt hatten, veröffentlichte Hart ein kleines Soloalbum, „2541“, und kurz darauf das Vollwerk „Intolerance“. Beide hatten was von einer Therapie, arbeiteten die Hüsker-Dü-Zeit auf (die Zahl 2541 war die Hausnummer des früheren Hüsker-Dü-Hauptquartiers), klangen aber auch wie eine Befreiung. Hart lernte Gitarre spielen, perfektionierte seinen Gesang und stellte die Keyboards in den Vordergrund seines Sounds, so wie in dem wunderbar hymnenhaften „Main“.

Doch ereilte ihn nach diesen frühen Solo-Großwerken das Schicksal anderer Musiker, die sich an einem Gegenüber aufrichten, vor allem aber aufreiben und nicht zuletzt deshalb tolle Songs schreiben und produzieren konnten, man denke an Johnny Marr von den Smiths oder Grant McLennan von den Go Betweens: Allein ist es plötzlich doch schwer, es fehlt das Regulativ. Hart gab sich der Schönheit hin, geriet zunehmend in Vergessenheit, widerstand jedoch immer den Verlockungen einer Hüsker-Dü-Reunion (nur zugunsten des an Krebs erkrankten Soul-Asylum-Musikers Karl Müller fanden sich Mould und Hart noch einmal zusammen.). Alle Jubeljahre spielte er ein Album ein, zuletzt 2013 „Argument“, dessen Songs sich lyrisch und in der Form ihrer Aufführung an John Miltons Langgedicht „Paradise Lost“ orientieren. Die gute alte Pop-Magie jedoch, die hatte der gute Hart, trotz manches weiterhin hinreißenden Rocksongs, im Lauf der Zeit verloren. Nun ist er im Alter von nur 56 Jahren einer langjährigen Krebserkrankung erlegen.

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