Kultur : Dschinn & Gin „i,Slam“: ein muslimischer Dichterwettstreit in Berlin

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Beiträge zur Integrationsdebatte werden wohl eher selten in Reime verpackt. Und die lyrische Aufarbeitung eines schwierigen Themas ist nicht die einzige Besonderheit beim „i,Slam“, einem muslimischen Poetry Slam, der im Alten Stadthaus Premiere feiert. 350 Zuschauer quetschen sich in den tonnengewölbten Festsaal und erleben unter anderem den ersten slammenden Imam Deutschlands. Als ältester der neun Teilnehmer dichtet Dr. Ali Özgüt Özdil über die Gefahren des Alkohols für Muslime, der „Dschinn aus der Flasche“ sei nicht zu verwechseln mit dem „Gin aus der Flasche“. „Die Jugend von heute will nicht belehrt werden, wir müssen neue Wege finden, zu ihr durchzudringen“, sagt Özdil.

Alle aus Österreich und dem gesamten Bundesgebiet angereisten Slammer tragen auf Deutsch vor. Bei ihren Themen haben sie die freie Wahl; die meisten analysieren die Rolle der Muslime in einer Gesellschaft, in der sie sich oft missverstanden fühlen. „Wir werden abgestempelt, deshalb wollte ich mitmachen, obwohl ich nervös war und die ganze Zeit gezittert habe“, sagte Layan Bae, mit 14 die jüngste Teilnehmerin. Ehre, Kopftuch, Respekt, Gleichberechtigung: Nur wenige Slammer nähern sich dem spätestens seit der Sarrazin-Debatte vergifteten Feld der Integration spielend. Wobei die schweren Sujets und die Leichtigkeit der Darbietung und des Stils mitunter in einem schön spannungsreichen Verhältnis stehen.

Bis Ende 2012 tourt der muslimische Dichterwettstreit durch Deutschland; der nächste Termin ist am 2. Februar in Hamburg, das Finale findet dann in Frankfurt/Main statt. Mit ihrem „i,Slam“ wollen die Initiatoren Younes Al-Amayra und Yousseff Adlah „der muslimischen Jugend eine Stimme geben“. Das ist ihnen gelungen. Nik Afanasjew

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