Kultur : "Du bist in Ordnung, Charlie Brown": Kleine Bühne für den trockenen Humor

Matthias Oloew

Selbstverständlich trifft Lucy an der niedrigen Gartenmauer auf Charlie Brown. Natürlich klimpert Schroeder gedankenversunken auf seinem Mini-Klavier. Und Snoopy? Snoopy liebt seine Hundehütte. Alle unerlässlichen Peanuts-Accessoires sind schon da. Als Kulissen aus Sperrholz. Unbemalt. Auch die Kostüme gibt es noch nicht. Außer dem gelben T-Shirt für Charlie Brown, das mit der schwarzen Zick-Zack-Linie auf dem Bauch. "Wir sind noch mitten in den Proben", sagt Andreas Gergen, "auch die Texte sind erst halb gelernt."

Trotzdem sieht die erste Nummer schon sehr professionell aus. Auftritt Charlie Brown, Auftritt Lucy, Schroeder, Sally und Linus. Natürlich hat Charlie Brown verschlafen, natürlich wird es kanpp, will er den Schulbus noch erreichen. Aber dennoch, oder gerade deswegen, endet das erste Stück mit dem Refrain "Du bist in Ordnung, Charlie Brown" - zugleich der Titel des Musicals, das am 12. September im Kleinen Theater am Südwestkorso in Friedenau Premiere haben wird.

Viel Platz ist in dem 99-Sitzplätze-Theaterchen nicht. Deshalb wird die Musik vom Band kommen, und auch die Schauspieler und Sänger haben nicht viel Spielraum. Jeder Quadratzentimeter auf der kleinen Bühne wird genutzt, etwa, wenn Snoopy auf seiner Hundehütte liegt, über den Gang der Dinge nachdenkt, und im Hintergrund die fünf anderen Schauspieler singen und tanzen. "Der Rahmen auf dieser kleinen Bühne ist aber völlig ausreichend", sagt Christian Struppeck, der nicht nur die Texte ins Deutsche übersetzt, sondern auch die musikalische Leitung übernommen hat und gleichzeitig ausführender Produzent ist. In New York, wo er das Musical sah, lief das Stück in einem großen Theater, mit riesiger Bühne und Orchestergraben. "Da unten standen dann drei Musiker und sechs Schauspieler auf der Bühne, die fast verloren wirkten." Nein, sagt Struppeck, für das Peanuts-Musical sei das Kleine Theater ideal.

Auftritt Lucy (Claudia Wauschke) und Schroeder (Markus Düllmann). Er klimpert am Klavier, sie beugt sich so lasziv wie möglich nach vorn, will ihn becircen. Einen strammen Proben-Marathon haben sich die jungen Produzenten und Schauspieler auferlegt. An sechs Tagen in der Woche studieren sie das Stück ein, ohne Aussicht auf hohe Gagen, die ihnen Engagements in teureren Produktionen oder großen Theatern einbringen würden. Regisseur Gerald Michel verzichtete ebenso wie Christian Struppeck und Andreas Gergen, der den Charlie Brown spielt, zum Beispiel darauf, weiterhin beim Disney-Musical "Der Glöckner von Notre Dame" mitzumachen. Dort waren alle drei engagiert. Während der Proben zum Glöckner, die am Broadway in New York begannen, entdeckten sie das Peanuts-Stück. "Das lief gleich um die Ecke unseres Hotels am Times Square", erzählt Christian Struppeck, "und es stand für uns fest: Das machen wir auch irgendwann."

Aber nicht irgendwie, sondern in eigener Regie wollten sie es nach Deutschland holen. Das ist nicht so einfach. Da wollen Musical-Manager überzeugt werden, die die Rechte an dem Stück übertragen müssen. Und vom Kleinen Theater, Berlin-Friedenau, hatte man am Broadway bis dato nichts gehört. Schlechte Karten. I wo, sagt Christian Struppeck: "Für uns war die Unterstützung des Hauses sehr wichtig, und auch die Bemühungen des deutschen Verlages haben sich ausgezahlt." Vor allem war es aber wohl ihre Beharrlichkeit. Nach monatelangen Verhandlungen hatten Struppeck und die Seinen die Rechte. So wird aus dem Kleinen Theater der Schauplatz für die Deutschland-Premiere eines Broadway-Stücks. Denn das Peanuts-Musical gab es in dieser Fassung noch auf keiner deutschen Bühne zu sehen.

Ein besonderes Stück, da ist sich Felix Martin ganz sicher. Er spielt Snoopy, "und das ist eine Rolle, bei der ich meinen ausgefallenen Humor voll ausleben kann." Also eher trocken, mit viel Ironie und Distanz zu sich selbst. Christian Struppeck glaubt, in eine Marktlücke zu stoßen. Kleine Musicals, sagt er, gebe es in Berlin nicht mehr. Und Produktionsfirmen, die das anbieten, seien interessant für Bühnen, die hin und wieder ein Musical in den Spielplan aufnehmen wollen. So wie im Kleinen Theater. Hier wird "Du bist in Ordnung, Charlie Brown" zunächst sechs Wochen am Stück laufen. Bei einem großen Erfolg werden dann noch einige Aufführungen drangehängt, allerdings auf die gesamte Spielzeit verteilt.

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