Kultur : Dynamisch

Ben Afflecks „The Town“ ist Genrekino vom Feinsten

Julian Hanich

Charlestown, ein rauer Stadtteil von Boston: Nach einem Überfall verliebt sich Doug (Ben Affleck), Kopf einer Gangster-Gruppe, in eine Angestellte (Rebecca Hall) der bestohlenen Bank. Das gefällt seinem Partner Jem (Jeremy Renner) nicht, zumal die Bande ins Visier des FBI-Mannes Frawley (Jon Hamm) gerät.

„The Town“, nach „Gone Baby Gone“ Ben Afflecks zweite Regie-Arbeit, ist ein Coup. Wer hätte gedacht, dass der Jungstar solches Gespür fürs Genre-Kino an den Tag legen würde? Die drei Raubüberfälle, als Actionsequenzen auf Anfang, Mitte und Ende des Geschehens verteilt, bersten vor kinetischer Energie. Immer wieder setzt Affleck auf extreme Tempowechsel, etwa wenn er aus einem romantischen Dialog abrupt in eine wuchtige inszenierte Hausdurchsuchung wechselt. Wer das schwerfällige Ende von Christopher Nolans „Inception“ im Kopf hat, wird Afflecks Dynamik zu schätzen wissen.

Darüber hinaus ist „The Town“ hervorragend besetzt. Jon Hamm, Star der Fernsehserie „Mad Men“, macht auch auf der Leinwand gute Figur. Die verletzliche Rebecca Hall ist sophisticated wie wenige Schauspielerinnen ihrer Generation. Jeremy Renner wandelt zusehends auf den Spuren von Sean Penn. Selbst Ben Affleck hat mittlerweile ein paar Ecken und Kanten. Dazu kommen mit Pete Postlethwaite und Chris Cooper zwei Charakterköpfe, die man gar nicht oft genug sehen kann.

Zusätzlich schiebt Affleck seiner Mischung aus Thriller und caper movie Gedanken über den urbanen Wandel unter. Er zitiert einen Bewohner von Charlestown: Der Stadtteil habe ihn ruiniert – dennoch sei er stolz auf seine Herkunft. Der Epilog könnte lauten: Klugsein heißt, der Heimat im rechten Moment den Rücken zu kehren.Julian Hanich

In zwölf Berliner Kinos; OV im Cinestar SonyCenter

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