"Effi Briest 2.0" am Gorki : „Gefällt mir“: Fontane als Facebook-Theater

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Abgestimmt. Auch Effi Briests Hochzeitskleid stand zur Diskussion.
Abgestimmt. Auch Effi Briests Hochzeitskleid stand zur Diskussion.Foto: Screenshot Tsp

Rein numerisch betrachtet war es die größere Premiere: 430 Zuschauer werden am kommenden Samstag im Maxim Gorki Theater Platz finden, wenn dort Theodor Fontanes „Effi Briest“ unter der Regie von Jorinde Dröse Premiere feiert. Als aber am Montagabend vorab eine „Effi 2.0“ auf die neue Online-Bühne des Theaters bei Facebook gebracht wurde, hatten sich dafür 1 280 User akkreditiert.

Wie Mitarbeiter des Theaters und der Werbeagentur Jung von Matt den Klassiker nach einer eigens angefertigten und penibel umgesetzten Stückfassung inszenierten, ist für Mitglieder des sozialen Netzwerks schnell, für Außenstehende fast gar nicht zu erklären. In der Vorbereitung wurden Netzwerkavatare der Romanfiguren gebaut. Sie interagierten über die Facebook-Kommentarfunktion, erschufen Fotoalben und vermerkten Wohnsitzänderungen, immer moderiert durch die Erzählerfigur Theo von Tain (alias Theodor Fontane). Höhepunkt des Spaßes: die graphische Umsetzung des Pistolenduells von Crampas und Instetten durch ein zweifaches „---------------- •“.

Bis auf die durchgängige Schriftlichkeit glich die etwa 50-minütige Aufführung dabei durchaus einer physischen Theaterinszenierung. Kommentare des Publikums – darüber wachten der Erzähler und „Pssst“-schreibende Mit-Zuschauer – waren nur dann erlaubt, wenn explizit darum gebeten wurde. Erst am Ende durften alle schreiben, was sie wollten. Die meisten schrieben „Applaus“. Mit seiner Inszenierung betrat das Gorki theatrales Neuland, für andere Erzählungen ist die Neuaufbereitung mit den Mitteln der sozialen Netzwerke bereits etabliert. So stellte ein amerikanisches Onlineportal die gesamte Weltgeschichte vom Urknall bis in die Gegenwart als Facebookdialog dar, mit Akteuren von „Earth“ bis „Obama“.

Hier können Sie die Inszenierung nachlesen: facebook.com/groups/MGTOB

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