Kultur : Ein Amerikaner in Feindesland

Die packende Sportdoku „The Iran Job“.

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Aufsteiger. Das Basketballteam von A. S. Shiraz mit Kevin Sheppard (M.). Foto: Realfiction
Aufsteiger. Das Basketballteam von A. S. Shiraz mit Kevin Sheppard (M.). Foto: Realfiction

China, Brasilien, Israel. Kevin Sheppard ist in seiner Basketballkarriere schon weit herumgekommen, als er 2008 einen Vertrag beim iranischen A. S. Shiraz unterschreibt. Doch dies ist kein Job wie jeder andere, das ist dem 29-jährigen amerikanischen Aufbauspieler klar. Sein Land unterhält seit 1979 keine diplomatischen Beziehungen mehr zu Teheran, es besteht ein Wirtschaftsembargo gegen den Iran, wo mit Mahmud Ahmadinedschad gerade ein fundamentalistischer Hardliner die Macht übernommen hat. Antiamerikanische Graffities gehören denn auch ganz selbstverständlich zum Straßenbild der südiranischen Millionenstadt Shiraz, deren Basketballteam soeben in die erste Liga aufgestiegen ist.

Kevin Sheppard will sich nur auf den Sport konzentrieren und sich „von Politik fernhalten“. Zunächst scheint ihm das auch zu gelingen, wie Till Schauders packende Dokumentation „The Iran Job“ über seine erste Saison im Iran zeigt. Der kräftige Guard hat nämlich alle Hände voll zu tun, dem jungen, unerfahrenen Team so etwas wie eine Struktur zu geben. Der Trainer, der kein Englisch spricht, scheint große Teile seines Jobs an Sheppard abgegeben zu haben – und es funktioniert. Nach einer Niederlagenserie kämpft sich die Mannschaft langsam in der Tabelle nach oben. Regisseur Till Schauder hat ein gutes Gespür für den Sport und zudem das Glück, dass sein Held immer wieder für Siegtreffer in letzter Sekunde sorgt.

So wird Kevin Sheppard bald zum Lieblingsspieler der Shiraz-Fans, die auf den Tribünen in einen Männer- und einen Frauenblock unterteilt sind. Inmitten der Frauen steht häufig die Physiotherapeutin Hilda mit ihren Freundinnen Leah und Eladeh. Hilda hat Kevin in der Praxis kennengelernt. Sie freunden sich an und bald sind die drei Frauen regelmäßig zu Gast in seiner WG mit dem serbischen Spieler Zoran. Durch die drei lernt der unvoreingenommene und humorvolle Kevin viel über sein Gastland. Etwa dass seine Freundinnen, die in der Wohnung ihre Kopftücher ablegen, schon mit ihren Besuchen bei ihm gegen Gesetze verstoßen. Als schließlich die Grüne Revolution beginnt, versteht Kevin endgültig, dass man in diesem Land nicht unpolitisch sein kann.

„The Iran Job“ ist eine bewegende Doku über die manchmal buchstäblich völkerverbindende Kraft von Sport. Dem Regime wird sie missfallen, denn sie wurde – wie Jafar Panahis vom Kultusminister als Straftat eingestufter Film „Pardé“ – heimlich gedreht, ohne Genehmigung. Schauder und seine iranische Frau Sara, Koproduzentin von „The Iran Job“, haben inzwischen Einreiseverbot. Nadine Lange

Brotfabrik, Eiszeit, Lichtblick

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