Kultur : Ein Mächtiger

Der Schauspieler Hans-Peter Minetti ist tot

Christoph Funke

Für Schauspieler ist die Nähe zur Macht eine besondere Verführung. Sie wollen wirken, sie wollen Öffentlichkeit, sie brauchen Publikum. Hans-Peter Minetti (geboren 1926 in Berlin, Sohn des Schauspielers Bernhard Minetti) war ein Komödiant, der diese Wirkung suchte, über den Beruf hinaus. Nach Anfängen in Weimar und Schwerin war er am Maxim Gorki Theater und am Deutschen Theater Berlin engagiert, leitete die Berliner Hochschule für Schauspielkunst von 1975 bis 1985, war Präsident des Verbandes der Theaterschaffenden (1984 bis 1989) und Mitglied des Zentralkomitees der SED.

Damit gehörte Minetti zu den Mächtigen in der Kulturpolitik der DDR, und er nahm seinen Einfluss wahr, auch, aber nicht nur, um Freiräume für die darstellenden Künste zu schaffen und zu erweitern. Er wollte geliebt, geachtet, verehrt werden. Dabei litt Minetti mitunter unter der Fülle der Ämter, weil ihn diese von schauspielerischer Arbeit abhielten. Er war zur Repräsentationsfigur geworden, mit der nicht leicht umzugehen war.

Dabei gibt es eine Fülle schauspielerischer Leistungen, die bemerkenswert sind. Etwa der Tusenbach in Heinz Hilperts Inszenierung der „Drei Schwestern“ (Deutsches Theater 1958), später der Kaiser in Brechts „Turandot“ und der Feldprediger in der „Mutter Courage“ (Berliner Ensemble 1982 und 1983), besonders aber der Tellheim in Wolfgang Langhoffs Inszenierung der „Minna von Barnhelm“ (Deutsches Theater 1960). Auch im DEFA-Film, wo ihm der Fiete Jansen im großen Thälmann-Epos Kurt Maetzigs lange Zeit wie ein schweres Gewicht anhing, bewies Minetti, dass ihm wohl die strahlenden, gläubigen, einschichtigen Helden lagen, aber auch die verkniffen Bösen, die Umgetriebenen.

Das Kapitel DDR schloss Minetti 1989 für sich ab, trat als Verbandspräsident zurück und in Berlin nicht mehr auf. Er unternahm Gastspielreisen mit dem von Vera Oelschlägel geleiteten „Theater des Ostens“, bewahrte mit einigem Trotz den Anspruch, ein großer deutscher Schauspieler zu sein, für den politisches Engagement nur eine Episode war. Käthe Reichel sieht das anders und wirft dem Kollegen vor, „Schrecken verbreitende Macht“ ausgeübt zu haben. Darüber zu richten fällt schwer.

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