Kultur : Ein neuer Preis

Berlin fördert erstmals Projekträume von Künstlern.

von

Etwa 60 Künstler haben sich im Kunst-Projektraum „General Public“ an der Schönhauser Allee versammelt, um über Förderstrukturen für die bildende Kunst zu sprechen. Es gibt eine Neuigkeit: Der Senat wird unabhängige Berliner Projekträume erstmals mit einer Summe von 210 000 Euro fördern. „Sieben Projekträume sollen 2012 je 30 000 Euro erhalten“, berichtet Jan Ketz vom „Netzwerk freier Berliner Projekträume und -initiativen“, das maßgeblich daran beteiligt war, die Berliner Kulturpolitik für die Rolle der Projekträume zu sensibilisieren. Neben den großen Museen sind es gerade die etwa 150 nicht kommerziell arbeitenden, von Künstlern betriebenen und meist aus der eigenen Tasche finanzierten Ausstellungsräume, die die Attraktivität der Kunsthauptstadt Berlin begründen. Bisher fielen sie durch alle Förderraster.

Nach dem Willen der Senatskanzlei für kulturelle Angelegenheiten soll die Förderung in Form einer Preisvergabe erfolgen. „Die Ausschreibung wird in dieser Woche veröffentlicht“, heißt es aus der Verwaltung. Bewerben können sich Projekträume, die seit mindestens zwei Jahren aktiv sind. Die Ausschreibung läuft bis 22. Oktober. Ende Dezember wird eine von der Senatskanzlei benannte Jury über die Einreichungen entscheiden. „Wir sehen das mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, sagt Ketz. Und auch Herbert Mondry, Vorstandsvorsitzender des „Berufsverbands bildender Künstler“ meint: „Es ist ein Schritt nach vorne, aber weit entfernt von einer strukturellen Förderung, wie sie das Netzwerk gefordert hat.“

Das Netzwerk forderte eine mehrjährige Infrastrukturförderung, um den Basisbetrieb der Projekträume zu sichern sowie eine kurzfristige, unbürokratisch abrufbare Entwicklungsförderung. Den Bedarf haben sie auf zwei Millionen Euro geschätzt. „Euer Modell macht absolut Sinn“, meint auch Florian Wüst von der Künstlerinitiative „Haben und Brauchen“. Nur kommt es nicht. Was die meisten hier ärgert, ist, dass die Berliner Kulturpolitik, sei es aus Ignoranz oder Personalmangel, an „feudalen“ Förderstrukturen festhält – es gibt Geld für wenige Auserwählte. Das widerspricht dem Selbstverständnis der Projekträume. Der Grund, warum diese bisher mit sehr wenig Geld gute Ausstellungen machen konnten, ist gerade die Ablehnung von Wettbewerb. Man teilt: Kompetenzen, Ideen, Material, bündelt Ressourcen und arbeitet ebenbürtig. Birgit Rieger

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben