Kultur : Eine Werkstatt hebt ab

Mit den neu eröffneten Uferstudios hat Berlin endlich ein Tanzzentrum von internationalem Format

Platz für große Sprünge. Die Uferstudios in Wedding. Foto: hehe
Platz für große Sprünge. Die Uferstudios in Wedding. Foto: hehe

Nach Freudensprüngen war allen zumute, die am Freitag Abend in die Uferstudios im Wedding strömten. Denn es bot sich ein doppelter Anlass zum Feiern: Der Umbau der ehemaligen BVG-Werkstatthallen in die Uferstudios ist so gut wie abgeschlossen. Und nun hat auch das Hochschulübergreifende Zentrum Tanz (HZT) die neu gestalteten Räume bezogen. Künstlerische Produktion und Ausbildung sind unter einem Dach vereint – damit stellen die Uferstudios ein Berliner Vorzeigeprojekt dar, das auch international seinesgleichen sucht.

Das Besondere, Berlin-Spezifische ist, wie hier freie Tanzszene, Hochschulen und Senat an einem Strang gezogen haben. Beim Festakt hatten sich prominente Vertreter aus Politik, Hochschule und Kunst versammelt. „Berlin kann stolz sein“, sagte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit. Das HZT habe nun ein richtiges Zuhause erhalten und die Kreativmetropole Berlin einen vitalen Dreh- und Angelpunkt. Damit werde die Hauptstadt zum Vorreiter im zeitgenössischen Tanz. „Es ist definitiv ein Traum wahr geworden“, erklärte Hortensia Völckers, Direktorin der Kulturstiftung des Bundes. Sie erinnerte daran, wie lange in Berlin schon für ein Tanzzentrum und für eine adäquate Ausbildung gestritten worden sei und lobte den Mut und das Beharrungsvermögen der freien Szene.

Die Kulturstiftung des Bundes hat mit ihrem „Tanzplan“ die Gründung des HZT ermöglicht. Getragen wird es von der Universität der Künste (UdK) und der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Kooperation mit dem Netzwerk TanzRaumBerlin. UdK-Präsident Martin Rennert unterstrich, dass das HZT nach erfolgreicher Pilotphase nun auch in die Hochschulverträge aufgenommen wurde.

4,3 Millionen Euro von der Lottostiftung sind in den Umbau der Uferstudios geflossen. Zum Festakt öffneten nun erstmals alle 14 Studios ihre Pforten. Beim Streifzug durch das Areal an der Uferstraße 23 konnte man sich davon überzeugen, dass die Architekten hervorragende Arbeit geleistet haben. Die rote Backsteinarchitektur der Uferhallen steht unter Denkmalschutz. Viele der alten Elemente wurden erhalten, sie verleihen den Tanzstudios nun einen reizvollen Werkstattcharakter. Ein Blickfang sind die alten Tore im Studio 14, die wieder auf die alte Höhe gebracht und verglast wurden. Die hellen und großzügigen Studios (vier mit 260 Quadratmetern, fünf mit 170 Quadratmetern) sind zudem maßgeschneidert für die Bedürfnisse der Tänzer.

Fünf der Studios werden nun vom HZT genutzt, dass damit der größte Mieter der Uferstudios ist. Eine Mediathek ist in Planung. Die Kreuzberger Tanzfabrik hat schon zwei Studios im Wedding bezogen, das Studio „ada“ wird demnächst folgen. Und auch TanzRaumBerlin hat schon seine Büros eröffnet, so dass hier eine kommunikative Schnittstelle entstanden ist.

Dass das Nebeneinander von Profiszene und Ausbildung sich für beide Seiten als beflügelnd erweist, davon ist man hier überzeugt. Barbara Friedrich, die treibende Kraft hinter den Uferstudios, wünscht sich jedenfalls eine „nachhaltige Unfertigkeit“. Welche Dynamik entsteht, wenn die Tänzer die Studios nun mit ihrer Energie und ihren Ideen füllen, davon konnte man sich beim künstlerischen Programmteil überzeugen. Angela Schubot und Jared Gradinger rackern sich in ihrem Duo zwar vergeblich ab, ihre Körper zu verschmelzen. Aufs laute Synchronatmen verstehen sie sich aber schon prima. An künftigen Höhepunkten wird hart gearbeitet in den Uferstudios.

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