Kultur : Eingebauter Giftstachel

Helen Hodgmans Roman „Gleichbleibend schön“.

von

Helen Hodgman, 1945 in Aberdeen geboren, ist ein tragischer Fall: In den siebziger Jahren feierte die Schriftstellerin mit ihrem Debütroman „Blue Skies“ und vor allem dem Nachfolger „Jack und Jill“ Erfolge bei Kritik und Publikum. 1983 bekam Hodgman, die 13-jährig mit ihren Eltern nach Tasmanien ausgewandert war, die Diagnose Parkinson. Drei Romane veröffentlichte sie noch, bevor die Krankheit ihre Schreibhand lähmte. Erstaunlich, dass mit „Blue Skies“ nun ein Roman von ihr auf Deutsch erschienen ist.

„Gleichbleibend schön“, so der deutsche Titel, ist ein auf virtuose Weise beunruhigendes Buch, das zunächst so harmlos daherkommt wie die Reihenhaussiedlung, in der die Ich-Erzählerin lebt. In Wahrheit aber schillert der Roman in allen Farben des Bösen. Ein Reihenhaus also, darin: Vater, Mutter, Kleinkind. Die Schwiegermutter in der Nähe, der Strand auch. Könnte eine Idylle sein, ist es aber nicht, denn im Kopf der jungen Erzählerin braut sich etwas zusammen. Es gibt eine neue Nachbarin, die ihren Rasen mit nervtötender Akribie pflegt. Vor allem jedoch, weil in Wahrheit nichts stimmt, sie all das nicht so gewollt hat, wie es gekommen ist. Mit ihrem Kind kann die junge Frau wenig anfangen; erst recht nicht mit den glückseligen Müttern am Strand, die ihr zufriedenes Elterndasein schamlos zelebrieren. Eine dünne Wand befindet sich zwischen der Welt, in der die Menschen normal funktionieren, und der jungen Frau, die mit größter Selbstverständlichkeit ein Verhältnis mit dem Mann ihrer angeblich besten Freundin unterhält.

Oben der blaue Himmel über Tasmanien; unten die Erzählerin, in der es gärt und schwelt: „Ich war ein Sack aus weißer Haut, in dem leidenschaftliche Rot- und Lilatöne und gelbgrüne Eifersucht brodelten. Wenn dieser Sack aufplatzte, würden die Farben herausfließen und die Landschaft verderben.“ Helen Hodgman ist keine Autorin der spektakulären Effekte. Die Eskalation, das merkt man ihrer Prosa an, muss und wird kommen. Aber sie wird so subtil inszeniert, dass sie folgerichtig erscheint: „Gleichbleibend schön“ ist ein Kunststück mit eingebautem Giftstachel. Christoph Schröder

Helen Hodgman: Gleichbleibend schön. Roman. Aus dem

Englischen von

Anne Rademacher.

Knaus Verlag,

München 2012.

192 Seiten, 17,99 €

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