Kultur : Endstation Fahrstuhl

Film-Bühne: „Eins, zwei, drei“ im Berliner Hebbel am Ufer

Christina Tilmann

Eine Frage ist endlich geklärt: die nach dem Titel von Billy Wilders Kultkomödie. Eins, zwei, drei, das sind die Stockwerkzahlen des Fahrstuhls im Berlin-Office von Coca-Cola. Überhaupt: der Fahrstuhl. Im Hebbel-Theater, wohin Matthias Matschke und Johannes Grebert das Berlin-Office verlegt haben, verbindet er den Rang mit dem Parkett, der Zuschauerraum ist die Bühne. Und weil die Schauspieler hintenherum über die Wendeltreppe nach unten sprinten müssen, zuckelt der Fahrstuhl so langsam nach unten, dass der ewige Adjutant Schlemmer ungeduldig auf die Uhr schaut, bevor er endlich die Tür öffnen darf. Ein running gag.

Überhaupt: Das Tempo. Es ist die größte Herausforderung für eine Komödie, und erst recht, wenn man sich mit Billy Wilders rasantem Witz messen will. Auch die Eigenproduktion im Hebbel-Theater hat ihre Durchhänger, selbst wenn sie immer wieder gut aufs Gas tritt, mit Slapstickeinlagen, wie sie von Matthias Matschke nicht anders zu erwarten waren. Wenn sich der (sehr junge) Coca-Cola-Chef mit Rocker-Tolle und knallenger Kordhose über „Fraulein“ Ingeborg (in Doppelrolle auch als Phyllis MacNamara: Geschwister-Pfister-Star Andreja Schneider) hermacht, um die Umlaute zu üben und sich bei der Ansprache später cool auf diese weiche Unterlage stützt, ist das natürlich ziemlicher Klamauk. Und sympathisch.

Das gilt auch für den Rest des Ensembles, für Judith Engel als zickiges Girlie, Matthias Schweighöfer als sehr weichen Kommunisten, Fräulein Schneider in Doppelrolle und natürlich für Schlemmer. Überhaupt: Schlemmer. Der Berliner Entertainer Kurt Krömer läuft als Komiker selbst Matschke den Rang ab, wenn er selbstvergessen mit einer aufblasbaren Cola-Flasche ein Tänzchen hinlegt, das an Chaplins „Großen Diktator“ erinnert. Und wussten wir es nicht längst: Eigentlich hat Schlemmer die Mauer gebaut.

Ja, die Mauer. Hier verschließt sie am Ende alle Türen und ist aus den Steinen des Brandenburger Tors erbaut. „Eins, zwei, drei“, ursprünglich ein Theaterstück von Ferenc Molnár, ist eine typische 20er-Jahre-Komödie. Bei Wilder wurde daraus eine böse Farce zwischen Ost und West. Im heutigen Hebbel ist es dagegen ein Kinderspiel, den Kommunisten-Otto auf Linie zu bringen: ein anständiges Outfit, ein paar politische Floskeln und die Promenade beim Cha-Cha-Cha.So etwas nennt sich Karriereplanung.

Wieder am 19. bis 23. März, 1., 2., 8. und 9. April. Der Abend wird am 20. März um 20.15 Uhr live auf 3sat übertragen.

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