Kultur : Fahrt ins Glück

Roadmovie mit Hindernissen: die Märchen-Parodie „Hans Dampf“.

Friederike Höll

Wäre „Hans im Glück“ ein modernes Märchen, dann wäre Hans ein Aussteiger und hieße mit Nachnamen Dampf. Das dachten sich zumindest Jukka Schmidt und Christian Mrasek und drehten ein Roadmoviemärchen. Hans Dampf also wohnt schick, besitzt ein smartes Phone und arbeitet erfolgreich als schlitzohriger Verkäufer. Dennoch erfüllt ihn dieses Dasein nicht. Ein trübseliger Blick und eine Erleuchtung später startet er ins Abenteuer Richtung Amalfiküste. Mit der Abfindung im Jutebeutel trifft er, Märchen verpflichtet, allerlei dubiose Gestalten und tauscht sein Hab und Gut erst gegen ein Auto, später gegen ein Schlauchboot.

Klingt ganz nett. Ist es streckenweise auch – zumindest solange die Musik mit hauptsächlich deutschen Texten ertönt. Die Dialoge dagegen sind nichtssagend. Trash-Fans hätten daran beinahe Spaß, wären sie von Fabian Backhaus, der den Hans macht, nicht gar so emotionslos vorgetragen. Witzig sind eher die stillen Momente, in denen ein Stofftiervogel überm Lagerfeuer brutzelt oder Hans im Traum von den musizierenden Mechanikern Jacques Palminger & Kings of Dub Rock heimgesucht wird, die über „il viaggio lungo alla fortuna“ singen. Bei dieser beschwerlichen Reise Richtung Glück lässt sich Hans vom Zufall treiben.

Die Regisseure tun es ihrem Helden hierin gleich. Drehorte wurden spontan gewählt, das süditalienische Ziel nie erreicht und stattdessen an den Lago Maggiore versetzt. Gezeigt wird, was schön ist und der Aussteiger-Romantik dient: Schmetterlinge, Blumen, Bienen, Regenbögen, Regentropfen, Wasserfälle. Fertig ist ein Patchwork aus Gelegenheiten und Improvisation. Zum feinen Märchen allerdings, auch zum neuzeitlichen, fehlt ihm die Finesse. Friederike Höll

Eiszeit, Lichtblick-Kino

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