Fantasy-Abenteuer „Maze Runner“ : Im Labyrinth der Angst

Amnesie, Angst und ein Auserwählter: In Wes Balls Fantasy-Abenteuer "Maze Runner" sucht eine Gruppe Jungs nach dem Ausweg aus einem Labyrinth und kommt daher wie "Die Tribute von Panem" - auf Testosteron.

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Szene aus "Maze Runner: Die Auserwählten im Labyrinth".
Angstmetapher: In der Wes Balls Fantasy-Abenteuer „Maze Runner“ suchen Jungs nach dem Ausweg aus dem Labyrinth.Foto: dpa

So ähnlich muss wohl der Geburtsschock sein. Gleißend bricht das Licht herein, als sich die Tür des Aufzugs öffnet und die Hände eines Unbekannten den Jugendlichen in eine fremde Welt hinausziehen. Außer an den eigenen Namen kann sich Thomas (Dylan O’Brien) an nichts aus seinem alten Leben erinnern. Und allen Jungs, die hier auf der Lichtung leben, geht es ebenso. Umgeben von riesigen Mauern und der Gewissheit totaler Amnesie, lebt die Gruppe nach Regeln gemeinsamen Zusammenlebens. Der einzige Weg aus dem weitläufigen Gefängnis führt durch ein Labyrinth, dessen riesige Betonmauern sich jede Nacht mit lautem Grollen zu einem neuen Irrgarten verschieben.

Eine gigantische Angstmetapher ist das, in der Wes Ball sein Jugend-Fantasy-Abenteuer „Maze Runner“ situiert. Als Vorlage dient der Roman von James Dashner, der deutlich auf Genreklassiker wie William Goldings „Herr der Fliegen“ Bezug nimmt und sich als dystopische Zukunftsvision im Windschatten von „Die Tribute von Panem“ und „Die Bestimmung“ bewegt. Allerdings steht hier nicht eine junge, starke, weibliche Heldenfigur im Zentrum, sondern ein männlicher Teenager und eine pubertierende Jungsgemeinschaft. Die Anführer beharren auf den Regeln, die auf schmerzhaften Erfahrungen gründen. Aber Thomas ist neugierig und – wie alle Helden der neueren Jugendliteratur – ein Auserwählter. Mit ihren testosterongeladenen Hahnenkämpfen stehen sich die Jungs allerdings immer wieder selbst im Weg; andererseits können sie auf der Lichtung all jene archaischen Kräfte messen, die in der zivilisierten Welt allzu nutzlos geworden sind.

Man muss kein Psychoanalytiker sein, um in dem gefährlich dunklen Labyrinth, das die Jugendlichen so unwiderstehlich anzieht, die Verschlingungsängste von sexuell Unerfahrenen zu vermuten. So bietet der Film mit seinem eigenwilligen Setting für die Zielgruppe reichlich emotionale Andockpunkte. Nur das überstürzte Finale verstört – noch dazu mit einem eher öden Cliffhanger. Fortsetzung also droht.

In 18 Berliner Kinos; Originalfassung im Cinestar SonyCenter

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