Kultur : Farming oder Fracking?

Alles öko: Gus van Sants „Promised Land“.

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Foto: Universal Foto: dpa
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Als „Promised Land“ im Winter bei der Berlinale Premiere feierte, fand er wenig Freunde – zu gutmenschenhaft und kalkuliert, zudem ohne klaren Standpunkt sei der von Gus Van Sant inszenierte Film über die Erdgasgewinnung und ihre Folgen für die Farmer. Die umstrittene Fördermethode des Fracking steht allerdings auch hierzulande auf der Agenda. Zumindest hat die Bundesregierung soeben einen Gesetzesentwurf dazu – wohl mit Blick auf die anstehenden Wahlen – vertagt, nachdem Umweltschützer auf die mögliche Verunreinigung des Grundwassers hingewiesen hatten.

In den USA ist man schon weiter, und so spielen Matt Damon und Frances McDormand zwei Angestellte eines Energiekonzerns, die den Bauern einer Gegend in Pennsylvania ihre Farmen abschwatzen sollen, damit dort Erdgas gefördert werden kann: Angetan mit ländlichem Outfit und ausgerüstet mit einem klapprigen Pick-up gehen Steve und Sue ans Werk und scheuen keine Mühe, das Vertrauen der Leute zu gewinnen. Mit einigem Erfolg, denn viele der Farmen sind kaum noch rentabel. Aber dann weist nicht nur auf einer Bürgerversammlung ein pensionierter Naturwissenschaftler auf die möglichen Gefahren des Fracking hin, sondern es tritt auch – eine Art Deus ex Machina – ein charismatischer Umweltaktivist auf den Plan. Beide machen Steve und Sue das Leben schwer.

Weder die Art des Konflikts noch die Personenaufstellung sind neu im Genre des Politthrillers, und auch wenn die Sache mit einer nicht ganz eleganten, aber überraschenden Wende ausgeht, hat man schon Spannenderes gesehen. Aber Gus Van Sant geht es weniger um den Plot als um die Figuren. Und er weiß Alltag meisterlich zu inszenieren: wie die Farmer ihre Geschichten erzählen, wenn Steve und Sue sie besuchen; wie die beiden selber Rituale entwickeln und immer gereizter aufeinander reagieren; wie Steve, der vom Land kommt, immer heimischer dort wird. Und einen wunderbaren running gag über eine besonders kleine Pferderasse gibt es auch.

Das ist alles ein bisschen romantisch und auch ein bisschen harmlos. Aber gerade das spricht eher für diesen sehr soliden, sommerabendtauglichen Unterhaltungsfilm. Daniela Sannwald

Cinemaxx, Colosseum, Kulturbrauerei,

Kant, Moviemento; OV Cinestar SonyCenter; OmU Hackesche Höfe und Rollberg

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