Kultur : Fast auf Lebenszeit

Barenboim bleibt bis 2022 an der Staatsoper

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Berlins Beste. Daniel Barenboim und Klaus Wowereit (links). Foto: Eventpress
Berlins Beste. Daniel Barenboim und Klaus Wowereit (links). Foto: EventpressFoto: Eventpress Hoensch

Die rosa Krawatte macht sich gut vor dem türkistaubenblauen „be Berlin“-Prospekt – und sie ist auch schon fast der einzige Farbtupfer an diesem etwas dösigen Mittwochnachmittag in der Senatskanzlei. Daniel Barenboim, der Träger der Krawatte, verlängert seinen Vertrag als Generalmusikdirektor der Staatsoper Unter den Linden um weitere zehn Jahre, und alle sind’s zufrieden. Gregor Gysi als Barenboims Anwalt, Jürgen Flimm als Barenboims Wunsch-Intendant, und Klaus Wowereit (der einen etwas zerzausten Eindruck macht) als Barenboims Dienstherr sowieso. Ohne Barenboim, so der Regierende Bürgermeister, wäre die Staatsoper nicht, was sie ist. Ohne Barenboim hätte man die „Transformationsprozesse“ des Hauses nicht so erfolgreich abwickeln, die „strukturellen Debatten“ nicht so rasch überwinden können. Hier blickt Barenboim Kulturstaatssekretär André Schmitz tief in die Augen: Weil die Debatten in Richtung einer Bundesoper vielleicht doch noch nicht ganz ausdebattiert sind? Die Staatsoper mag nicht das fortschrittlichste der drei Berliner Opernhäuser sein – das fragloseste ist sie allemal.

Bis 31. Juli 2022 läuft Barenboims neuer Vertrag. Der Witz, ob das jetzt länger oder kürzer sei als das Amt, das ihm die Staatskapelle längst verliehen hat, nämlich „Chefdirigent auf Lebenszeit“, dieser Witz musste wohl gemacht werden. Im Übrigen zeigte sich Barenboim dankbar und froh: Über 20 Jahre Berlin in einer „historischen Situation“ – und über sein Orchester: Wenn beide so sehr das Gleiche denken und empfinden würden wie er und die Kapelle, dann sei das „ein tolles Geschenk“.

An den Rahmenbedingungen des Vertrages dürfte sich wenig geändert haben. Barenboim wird weiterhin pro Spielzeit mindestens 25 Vorstellungen plus vier Konzerte dirigieren, Gastspielreisen exklusive. Und weniger Geld dürfte er auch nicht verdienen. Von einem zeitgenössischen Musikensemble aus den Reihen der Kapelle träumt er, mit dem Architekten Frank Gehry berät er sich über das geplante Musikzentrum im Magazingebäude Unter den Linden. Viel mehr Zukunft aber will er nicht verraten. Und dann gibt es doch noch eine kleine Erregung, als Wowereit gefragt wird, ob er mit den vielen Coproduktionen und Wiederaufwärmungen im Staatsoperprogramm 2011/12 denn zufrieden sei. Er möchte heute über 20 Jahre Berlin sprechen und über sonst gar nichts, antwortet Barenboim, klopft auf seinen Vertrag und nimmt dem Regierenden die Worte aus dem Mund. Christine Lemke-Matwey

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