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Kultur : Fernes Land

15.03.2006 00:00 UhrVon Sybill Mahlke

Ein Buch aus dem Iran, das verblüfft und berührt: Da erscheint im 21. Jahrhundert eine Alltagsgeschichte, in der es für iranische Frauen selbstverständlich ist, Lippenstift zu tragen, ins Kino zu gehen, Clubs und Buchhandlungen mit westlicher Literatur aufzusuchen. Auch ist der Schleier keine Pflicht für sie. Der Ort der Handlung ist nichts Besonderes, Abadan, ein Zentrum der Ölindustrie. Aber hinter dem fiktiven Land dämmert die Realität der Islamischen Republik Iran auf, die der Leser kaum aus seinem Bewusstsein entlassen kann.

 Zum Thema Tagesspiegel Online: Leipziger Buchmesse
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Der Roman „Die Lichter lösche ich“ der 1952 geborenen Schriftstellerin und Übersetzerin Zoya Pirzad aus Teheran führt zurück in die Ferne vor der Revolution, ohne das normale Leben jener Zeit zu beschönigen.

Es wird so reich im Detail und voller literarischer Fantasie abgebildet, dass die Spannung bis zur letzten Zeile hält. Dazu gebietet die Autorin über eine atmosphärisch feine Leitmotivtechnik. Jeder Alltag birgt seine Absurditäten.

Die Ich-Erzählerin Clarisse ist Armenierin, Mutter eines Sohnes und selbstbewusster Zwillingsmädchen, die sich in süßem Doppel überschlagen: „Prima, Papa ist da“, „Papa ist da, prima.“ Für Clarisse ist Papa ein leidenschaftsloser Ehemann, während ein überschaubarer Kreis aus Verwandten und Nachbarn ihr die Pflichten diktiert, Einladungen und Feste zu organisieren. Sie liest Sardou, näht, bügelt und kocht. Manchmal würde sie gern ein paar Stunden am Tag allein sein. Das Hausfrauendasein ist beklagenswert. Dazwischen schiebt sich die Andeutung einer unmöglichen Liebe. Sehnsucht bleibt. Der Himmel ist tiefblau. Aber „ohne eine einzige Wolke.“

Zoya Pirzad: Die Lichter lösche ich. Roman. Aus dem Persischen von Susanne Baghestani. Insel Verlag, Frankfurt a. M. 303 Seiten, 22, 90 €.

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